Der schnelle Rücktritt
Marta Elena Feitó Cabrera bekam die Quittung rasch. Einen Tag nachdem die kubanische Ministerin für Arbeit und soziale Sicherheit meinte, auf dem Inselstaat gebe es keine echten Bettler, sondern nur Menschen, die »sich als solche verkleiden«, musste sie zurücktreten.
Trabajadores, das Zentralorgan des regierungsnahen Gewerkschaftsverbands CTC, schrieb, dies sei das Ergebnis einer gemeinsamen Analyse von Feitó Cabrera und der Partei- und Regierungsführung. Die Genossin habe ihre Fehler eingeräumt und ihren Rücktritt eingereicht. Mitglied des Zentralkomitees der Kommunistischen Partei Kubas bleibt sie aber vorerst.
Der bitteren sozialen Realität auf Kuba, die sich insbesondere in Havanna und anderen Städten deutlich zeigt, sprechen Feitó Cabreras Einlassungen hohn.
Feitó Cabrera hatte Mitte Juli in einer Parlamentssitzung, bei der Maßnahmen zum Schutz der schwächsten Bevölkerungsgruppen vorgestellt wurden, die katastrophale ökonomische Lage und die extreme Verarmung auf Kuba schönzureden versucht. Sie bestritt, dass es Obdachlosigkeit gebe und die Not Menschen zum Betteln zwinge. Wer in Abfallcontainern nach Essbarem suche, litte nicht Hunger, sondern sammle lediglich »Rohstoffe«, und das auch noch ohne Genehmigung. Bettler oder Scheibenputzer am Straßenrand seien keine Bedürftigen, sondern »Personen, die auf einfache Weise Geld verdienen wollen«.
Der bitteren sozialen Realität auf Kuba, die sich insbesondere in Havanna und anderen Städten deutlich zeigt, sprechen solche Einlassungen hohn. Empörung und Distanzierung nicht nur in der Bevölkerung, sondern auch von staatsoffizieller Seite ließen nicht lange auf sich warten. Die stellvertretende Direktorin der Abteilung für die Vereinigten Staaten in der Staatskanzlei Kubas, Johana Tablada, schrieb auf Facebook: »Ich bezweifle nicht, dass sie zu einem bestimmten Zeitpunkt gute Arbeit geleistet hat, aber ihr Fehlverhalten ist schwerwiegend und schadet denen, die uns am meisten brauchen.«
Auch Staatspräsident Miguel Díaz-Canel distanzierte sich wenig später auf X von der Ministerin, ohne sie namentlich zu erwähnen. »Die mangelnde Sensibilität im Umgang mit Vulnerabilität ist sehr fragwürdig«, schrieb er, offensichtlich verärgert darüber, dass Feitó Cabrera mit ihren Kommentaren über Bettler die Wahrnehmung der parlamentarischen Debatte über die ökonomische Lage auf Kuba dominierte.