Jungle+ Artikel 24.07.2025
Die Militarisierung des öffentlichen Lebens in Honduras

Starke Polarisierung

In Honduras hat der Wahlkampf begonnen, die Stimmung im Land ist angespannt. Dafür ist die heftige Konkurrenz zwischen den drei großen Parteien mitverantwortlich.

Donny Reyes agiert derzeit extrem vorsichtig. Keine Interviews, keine öffentlichen Auftritte, und seine Bürotage bei Arcoíris, einer queeren Menschenrechtsorganisation, hat er auch verkleinert. Doch am 12. Juli nahm Reyes mit seinem Freund Denilson am Marsch der LGBT-Community durch das Zentrum von Tegucigalpa teil. Einmal mehr forderte die queere Szene Menschen- und Grundrechte ein, die in Honduras permanent verletzt werden.

»16 Morde an queeren Menschen hat es in diesem Jahr bisher gegeben. Wir sind es so leid, unsere Freunde zu begraben«, sagt Reyes, der offen schwul ist. Der Menschenrechtler lebt in Tegucigalpa, ist aber immer wieder im »Haus der Vielfalt« in Choloma, einer der gefährlichsten, ganz im Norden des Landes liegenden Städte von Honduras, präsent.

»Wir versuchen, Anlaufpunkte für die queere Szene zu schaffen; in Choloma gab es vorher nichts und wir hatten ein bisschen Unterstützung«, so Reyes. Von den Vereinten Nationen gab es etwas Geld; derzeit sucht Arcoíris wieder händeringend nach Förderern, denn das von US-Präsident Donald Trump eingeleitete Ende der Hilfszahlungen von USAID betrifft auch diese Organisation. Sie hat ihre Zentrale in Tegucigalpa gleich um die Ecke vom Großmarkt und dem Bus-Terminal, von wo täglich ein paar Dutzend Honduraner:innen aufbrechen, um nach Nordamerika auszuwandern.

Die Zahl der Morde in Honduras ist gesunken, aber zugleich hat die Militarisierung des öffentlichen Lebens zugenommen.

In Honduras ist die Lage brisant, daran wird sich vorerst auch nichts ändern. Seit einigen Wochen prägt der Wahlkampf für die Präsidentschaftswahl am 30. November den Alltag. »Schon jetzt werfen sich die drei großen Parteien, die Nationale und die Liberale Partei sowie Libre von der amtierenden Präsidentin Xiomara Castro, vor, Wahlbetrug vorzubereiten – das ist dramatisch«, meint Padre Melo.

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