24.07.2025
Über den fahrlässigen Umgang mit Präpositionen

Voll daneben

Sprachkolumne. Ins Meer vor Norderney, in den Vatikan. Wohin die Wahl der falschen Präposition führen kann.

Fremdwörter, meinte Adorno, seien die Juden der Sprache. Präpositionen könnte man als das Servicepersonal der Sprache bezeichnen: Ohne sie geht fast nichts, aber sie erhalten weder Respekt noch Aufmerksamkeit und werden gern miteinander verwechselt. Wer beispielsweise »durch einen Polizisten« angeschossen wird, hätte dem Beamten dafür zu danken, dass er die Kugel mit seinem Körper abbremste – ganz anders als jemand, der von einem Polizisten angeschossen wird.

Zu den Trend-Präpositionen zählt auch »neben«. So meldete die DPA: »Die Berliner Punkrockband Beatsteaks setzt neben ihrer Musik weiterhin auch auf politisches Engagement.« Aber befindet sich die Band wirklich neben ihrer Musik? Oder hätte man statt auf »neben« womöglich besser auf »außer auf« setzen sollen?

Als Joe Chialo noch Berliner Kultursenator war, freute er sich, »das schönste Amt neben dem Papst« zu haben. Er variierte damit ein Diktum Franz Münteferings, der das Gleiche 2005 über den SPD-Vorsitz gesagt hatte. Über Schönheit kann man streiten, aber wenn das Amt neben dem Pontifex ausgeübt wird, ist vor allem Satzbau daneben.

Kaum kalkulierbar sind die Folgen, wenn die Zeitung gleich zwei Premium-Präpositionen in einen Satz packt: »So erwartet der IWF den deutlichsten Wachstumsrückgang gegenüber dem Vorjahr neben den USA und China auch für zahlreiche Entwicklungsländer.«

Die Süddeutsche weiß über Norderney zu berichten: »Neben den Kurzurlaubern rechnet die Insel auch mit jeder Menge Tagesgäste.« Grammatisch unklar bleibt hier, ob sich die Kurzurlauber nur neben der Insel tummeln oder ob sie ebenso wie Norderney Tagesgäste erwarten. Ein andermal heißt es: »Bayern hält als einziges Bundesland neben dem Saarland weiter an seinen strikten Ladenöffnungszeiten fest.« Das einzige Bundesland neben dem Saarland ist aber Rheinland-Pfalz.

Das ND wiederum verrät über einen seiner Gastautoren: »Neben dem ND schreibt er unter anderem für das Magazin Cicero.« Ein Fall von Überidentifikation? Nur der Gastautor, nicht auch das ND schreibt für Cicero.

Kaum kalkulierbar sind die Folgen, wenn die Zeitung gleich zwei Premium-Präpositionen in einen Satz packt: »So erwartet der IWF den deutlichsten Wachstumsrückgang gegenüber dem Vorjahr neben den USA und China auch für zahlreiche Entwicklungsländer.« Also … wie? Das Vorjahr hat die USA und China neben sich, ihm gegenüber befindet sich ein Wachstumsrückgang, der deutlicher als alle anderen ist und den der IWF auch für viele Entwicklungsländer erwartet?

Merke: Wenn man »außer« stets durch »neben« ersetzt, ergibt das nebenordentlichen Unsinn.