Alijew auf Konfrontationskurs
Aus russischer Sicht muss der 20. Juli ein rabenschwarzer Tag in der Geschichte der russisch-aserbaidschanischen Beziehungen gewesen sein. An jenem Sonntag fand in der Kleinstadt Schuscha im viele Jahre lang umkämpften Bergkarabach das dritte »Shusha Global Media Forum« statt. Der Präsident Aserbaidschans, Ilham Alijew, nutzte diese Gelegenheit, um Russland zu brüskieren.
Die Ukraine solle der Besetzung ihrer Territorien durch Russland nicht zustimmen, sagte Alijew und fügte hinzu: »Ich glaube, dass das im Einklang mit den Bestrebungen des ukrainischen Volkes steht, das nicht bereit ist, sich mit der Besetzung abzufinden.« Das sei auch das, was Aserbaidschan gemacht habe. Schuscha war während des ersten Bergkarabach-Kriegs zwischen Armenien und Aserbaidschan im Jahr 1992 von Truppen des bis dahin zu Aserbaidschan gehörenden, aber mehrheitlich von Armeniern bewohnten Gebiets Bergkarabach eingenommen und 2020 im zweiten Bergkarabach-Krieg wieder von Aserbaidschan erobert worden.
Alijews Worte waren wohl starker Tobak für Russland. Selbst die westlichen Unterstützer der Ukraine treten normalerweise nicht so deutlich von der Rückeroberung der besetzten Gebiete ein. Pete Hegseth, der Verteidigungsminister der USA, hatte im Februar, frisch im Amt und seinerzeit auf Annäherung an Russland bedacht, die Wiederherstellung der Ukraine in den Grenzen von 2014 als unrealistisch bezeichnet. Und nun eine solche Aussage vom Staatsoberhaupt eines Landes, das man in Russland noch immer als Teil der eigenen Einflusssphäre betrachten mag.
Die Niederlage im Konflikt um Bergkarabach hat auch die Abhängigkeit Armeniens von Russland vermindert, das seinem Verbündeten ohnehin nicht geholfen hat.
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