07.08.2025
Gegen Israel besitzt der deutsche ­Kulturbetrieb Gratismut

Deutsche Stimme für gerechten Frieden in Nahost

In einem offenen Brief fordern mehr oder weniger prominente Personen aus dem deutschen Kulturbetrieb ein härteres Vorgehen gegen Israel – und machen sich damit zu den nützlichen Idioten der Hamas.

Mittlerweile 367 deutsche Nahost-Experten, pardon, mehr oder weniger bekannte Fernsehgesichter wollten nicht länger schweigen. Also taten sie, was medial präsente Deutsche nun mal tun: Sie fanden sich zusammen und schrieben einen offenen Brief an Bundeskanzler Friedrich Merz. Der möge doch bitte seine Israel-Politik überdenken und das Leiden im Gaza-Streifen beenden.

Die neuen Berater des deutschen Außenministers wissen natürlich, wie: Sie fordern den Stopp deutscher Waffenexporte nach Israel (wer die Gründungscharta der Hamas kennt, weiß, sie beabsichtigt die Tötung aller Juden; ohne Waffen wäre Israel diesen antisemitischen Schlächtern also wehrlos ausgesetzt), einen sofortigen Waffenstillstand (von dem die Hamas bislang wenig gehalten hat), den ungehinderten Zugang zu Hilfsgütern (dass die aber dennoch nicht bei der hungerleidenden Bevölkerung, sondern bei der Hamas landen, berichten sowohl freigelassene Geiseln als auch die Menschen im Gaza-Streifen selbst) und das Aussetzen des Assoziierungsabkommens zwischen Israel und der EU (worunter die israelische Bevölkerung leiden würde, die gerade für ein Ende des Kriegs protestiert).

»Hamas raus«

Das Leiden in Gaza ist real. »Stoppt den Krieg« und »Die Kinder in Palästina wollen leben« liest man auch auf Plakaten im Gaza-Streifen. Deshalb gehen diejenigen, die unter diesem Krieg leiden, aus Protest auf die Straße – und riskieren dabei ihr Leben. Denn sie wissen, wen sie zu adressieren haben: »Hamas raus, die Hamas sind Terroristen, die Hamas sollen die Waffen niederlegen.« Forderungen und Tatsachenfeststellungen, die im offenen Brief an den Bundeskanzler fehlen, ebenso wie eine klare Solidarität mit diesen mutigen Protesten oder die Forderung nach der Freilassung der schätzungsweise noch 20 lebenden Geiseln.

Am 7. Oktober 2023 hat die Hamas nicht nur 240 Menschen aus Israel entführt und damit diesen Krieg überhaupt erst provoziert, sondern auch ihre eigene Bevölkerung in Geiselhaft genommen. Mit diesem Faustpfand spielt sie nun – und das mit Erfolg. Kein Wunder, dass palästinensische Oppositionelle den angeblich propalästinensischen Aktivismus hierzulande, der sich einzig auf ­Israel eingeschossen hat, als nicht besonders hilfreich empfinden.

Dass die deutschen Briefeschreiber sich nicht an die Hamas richten, ist symptomatisch. Die Empörung über Israel ist im Kulturbetrieb der Verkaufsschlager schlechthin. Man gibt sich meinungsstark, ist aber ahnungslos. Hauptsache mitmachen – das kennt man ja bereits von Deutschen.

Mit negativen beruflichen Folgen müssen die 367 deutschen Briefeschreiber wohl nicht rechnen. Im Gegenteil, bei dem Thema herrscht Bekenntniszwang. 

Freilich hätte man auch einfach schweigen können – wie schon nach dem größten antisemitischen Pogrom und der daran anschließenden antisemitischen Welle, die auch hierzulande noch immer nicht abgeebbt ist. Das man sich nun plötzlich publikumswirksam äußern möchte, liegt wohl am berufsbedingten Größenwahn und dem damit einhergehenden Gratismut.

Mit negativen beruflichen Folgen müssen die 367 deutschen Briefeschreiber wohl nicht rechnen. Im Gegenteil, bei dem Thema herrscht Bekenntniszwang. Wer hingegen die Hamas als die eigentliche Ursache dieses Krieges benennt und sich dem antisemitischen Furor im eigenen Milieu entgegenstellt, muss mit weit weniger Applaus rechnen. Und das, so darf vermutet werden, ist es eigentlich, worum es diesen Berufsbetroffenen geht. Die Bevölkerung im Gaza-Streifen interessiert sie nur dann, wenn sich aus ihrem Leid kulturelles und moralisches Kapital schlagen lässt.

Videos mit abgemagerten Geiseln

Am allermeisten profitiert davon allerdings die Hamas. Die weiß die humanitäre Notsituation für sich zu nutzen. Wenige Tage nach dem offenen Brief hat sie Videos der beiden Geiseln Rom Braslavski und Evyatar David veröffentlicht, in denen die beiden vollkommen abgemagert vor die Kamera gezwungen wurden.

David muss im Video sein eigenes Grab schaufeln. Für die Hamas ist das eine Macht­demonstration. Juden weltweit sollen mit diesen Bildern gedemütigt werden. Und trotzdem kann die Hamas sich sicher sein, dass die »internationale Gemeinschaft« sie auch nach solchen Bildern nicht zur Kapitulation zwingen wird. Deutsche konformistische Briefeschreiber haben sich bislang auch noch nicht dazu geäußert.