Jungle+ Artikel 14.08.2025
In Dresden haben einige Bewohner ihr eigenes Haus besetzt

Kollektiver Rauswurf

Ein Streit in einem Dresdner Hausprojekt führte dazu, dass einige der Bewohner:innen die Räumlichkeiten besetzten. Die Vorgänge werfen die Frage auf, welche Funktion kollektives Wohnen heute noch erfüllen kann.

»Besetzt«, »The Future Needs Space«, »Stadt für alle« – mit diesen Transparenten begrüßten augenscheinliche Be­setzer:innen eines Hauses in der Robert-Matzke-Straße 16 im Dresdner Stadtteil Pieschen die Nachbarschaft, dazu schwenkten sie rote und pinke Rauchfackeln. Einen Tag zuvor hatten sie bereits auf der Dresdner Queer-Pride-Demonstration Interessierte »herzlichst« zu einem »Mitbring-Lunch« im Garten des Hauses eingeladen, um sie über die Situation im Haus zu informieren.

Alles sah nach einer temporären Besetzung aus, wie sie in verschiedenen deutschen Städten immer wieder stattfindet. Leerstehende Häuser werden zumeist symbolisch besetzt, um die Forderung nach Wohnraum oder Platz für Kulturveranstaltungen zu unterstreichen. Doch unterschied sich das Geschehen in der Robert-Matzke-Straße von solchen Besetzungen in einem gewichtigen Punkt: Es tauchte keine Polizei auf, um die Besetzer:innen schnell und schmerzhaft aus der Immobilie zu werfen. Und das nicht, weil Polizei oder Stadtverwaltung in Sachsen besonders liberal gestimmt wären. Nein, das Gebäude, das dort für besetzt erklärt wurde, ist bereits ein unter dem Namen »RM16« bekanntes Hausprojekt – und einige der mutmaßlichen Besetzer:innen wohnen dort.

In den sozialen Medien kam Spott auf: Es handle sich um die erste szene­interne Eigenbedarfskündigung.

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