Jungle+ Artikel 14.08.2025
Die Feministin Margaret Fuller starb vor 175 Jahren

Eine singuläre Frau

Vor 175 Jahren kam die prägende US-ameri­kanische Feministin, Journalistin und Intellektuelle Margaret Fuller, die zum engen Kreis der Transzendentalisten gehörte, mit nur 40 Jahren bei einem Schiffsunglück vor der Küste New Yorks ums Leben. Eine Auswahl ihrer Texte erscheint nun erstmals auf Deutsch.

Vor der Morgendämmerung des 19. Juli 1850 lief das Handelsschiff »Elizabeth« vor Fire ­Island südlich von Long Island, New York, im Sturm auf eine Sandbank und die schweren Carrara-Marmorplatten, die der Frachter von Italien aus in die Vereinigten Staaten liefern sollte, durchschlugen die hölzerne Schiffswand.

Neben den 17 Seeleuten befanden sich lediglich sechs Passagiere an Bord, darunter Margaret Fuller mit ihrem italienischen Ehemann Giovanni Ossoli und dem gemeinsamen fast zweijährigen Sohn Angelo, genannt Nino. Der erste Offizier schwamm bei zwischenzeitlicher Ebbe mühsam zur knapp 300 Meter entfernten Küste, um Hilfe zu holen. Aber das Wetter war so stürmisch, dass offenbar kein Boot von Land aus zu Wasser gelassen werden konnte. Und auch der Versuch der freiwilligen Seenotretter, mit einer Kanone ein Tau auf das Schiff zu schießen, scheiterte.

Fullers feministische Position war, dass es keinerlei Fähigkeiten gebe, die exklusiv Männern oder Frauen vorbehalten seien; eine durchaus radikale Haltung in ihrer Zeit.

Die Schaulustigen und Plünderer am Strand interessierten sich zudem mehr für die angespülten Wertgegenstände als für die bisher Überlebenden auf dem Vorderdeck, das als Letztes noch aus dem Wasser ragte. Ein paar weitere Besatzungsmitglieder konnten sich ebenfalls aus eigener Kraft retten.

Doch Fuller konnte nicht schwimmen und blieb mit ihrer Familie und wenigen anderen an Bord – auf Rettung hoffend, die nicht kam. Nach und nach brach das Schiff auseinander, bis das Wrack am späten Nachmittag in den tosenden Wellen unterging. Nicht nur ihre dreiköpfige Familie fiel dem Unglück zum Opfer, sondern auch das Manuskript ihres dritten Buchs, ihre Schilderung des italienischen Unabhängigkeitskriegs von 1848/49 und der kurze Zeit bestehenden Römischen Republik auf dem Territorium des Kirchenstaats, versank im atlantischen Ozean.

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