Jungle+ Artikel 14.08.2025
Pazifische Inselstaaten beanspruchen außenpolitische Eigenständigkeit

Freunde für alle, Feinde für niemanden

Die kleinen Inselstaaten im Pazifik behaupten sich immer besser zwischen den größeren Mächten, ihr Anspruch auf außenpolitische Eigenständigkeit wächst. Die diplomatische Verstimmung zwischen Neuseeland und den Cookinseln verdeutlicht, wie schnell das Gleichgewicht in der Region ins Wanken geraten kann.

Die Cookinseln zwischen Neuseeland und Hawaii pflegen enge Verbindungen zu Neuseeland, das einst selbst eine britische Kolonie war und später die Verwaltung über die Inselgruppe übernahm: Ihre rund 15.000 Einwohner besitzen die neuseeländische Staatsbürgerschaft, haben Zugang zum dortigen Gesundheitssystem und zu Sozialleistungen.

Dieses historische Verhältnis bildet die Basis der seit 1965 bestehenden »freien Assoziation«, in der die 15 Inseln und Atolle eine innenpolitisch autonome Einheit bilden, während Außen- und Verteidigungspolitik formell Neuseeland obliegen, dem die Cookinseln bis dahin angehörten – allerdings nur in Absprache mit der Regierung der Cookinseln.

Schon im 19. Jahrhundert war der Pazifik Schauplatz imperialer Ambitionen Spaniens, Großbritanniens, Frankreichs und des Deutschen Kaiserreichs.

Im Februar reiste der Premierminister der Cookinseln, Mark Brown, nach Peking und unterzeichnete ein Partnerschaftsabkommen mit China, das unter anderem Infrastruktur, Umwelt, Handel und Tiefseebergbau umfasst. Neuseeland wurde dabei nicht konsultiert, obwohl außenpolitische Entscheidungen in der freien Assoziation üblicherweise abgestimmt werden. Neuseeland reagierte entsprechend irritiert, denn der Alleingang stellte ein diplomatisches Signal dar: Die Cookinseln demonstrieren außenpolitische Eigenständigkeit, selbst gegenüber dem langjährigen Partnerstaat.

Als Reaktion fror Neuseeland im Juni Entwicklungshilfe in Millionenhöhe ein; ein ungewöhnlich scharfer Schritt. Der Vorfall verdeutlicht, wie sehr sich das politische Gefüge im Pazifik wandelt und wie selbstbewusst kleine Inselstaaten ihren außenpolitischen Spielraum ausloten.

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