Bangen um die Geiseln
Eine Minute vor halb sieben Uhr am Sonntagmorgen begannen in ganz Israel die Straßenblockaden. Überall wurden gelbe Bänder verteilt, die an die von der Hamas seit dem 7. Oktober gefangengehaltenen Geiseln erinnern sollen. Die Protestierenden fordern die Regierung auf, für die Rückkehr der verbliebenen israelischen Geiseln im Gaza-Streifen zu sorgen. 20 von ihnen sollen noch am Leben sein, 30 bereits tot. Die Proteste richten sich gegen die Ankündigung der Regierung von Benjamin Netanyahu, die Kämpfe aus dem Gaza-Streifen auszuweiten und Gaza-Stadt zu erobern. Die Uhrzeit des Protestbeginns ist hochsymbolisch: Um eben jene Uhrzeit hatte die Hamas ihren Terrorangriff, den Krieg und damit auch die Geiselnahme von Israelis am 7. Oktober 2023 begonnen.
Zwei der drei wichtigsten Zusammenschlüsse von Angehörigen der Geiseln in Hamas-Gefangenschaft hatten zu Protesten, Kundgebungen, Mahnwachen, Straßenblockaden und Streiks aufgerufen. Zahlreiche Berufsverbände schlossen sich an oder sicherten, wie der Gewerkschaftsbund Histadrut, ihren Mitgliedern zumindest Unterstützung zu, falls sie sich an den Protesten beteiligen würden. Etliche zivilgesellschaftliche Gruppen, Vereine und lokale Behörden unterstützten ebenfalls den Protestaufruf, ebenso die Parteien der Opposition. Trotz der Sommerhitze nahmen bis zu eine Million Menschen an den Protesten teil.
Einzig das Tikva-Forum, ein zahlenmäßig kleiner, regierungsnaher Zusammenschluss von Freunden und Angehörigen von Geiseln, lehnt die Aktionen ab und beschuldigte die Demonstrierenden, die Kriegsanstrengungen zu untergraben, dadurch der Hamas in die Hände zu spielen und die Verhandlungsposition der israelischen Seite zu schwächen. Auch warfen sie den Protestierenden vor, eine demokratisch gewählte Regierung stürzen zu wollen und durch Straßenblockaden und Streiks Chaos, Zwietracht und gewalttätige Konflikte zu verursachen.
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