Jungle+ Artikel 21.08.2025
Korrekturen am Bild der »Barbaren« – Karl Banghards »Wahre Germanen«

Flexitarier in Funktionskleidung

Der Prähistoriker Karl Banghard korrigiert das Bild der Germanen als Barbarenkrieger in Bärenfellen.

»Wer Arminius, den Helden der ­Varusschlacht, als ersten Deutschen bezeichnet hätte, hätte dafür von ihm wohl eine aufs Maul bekommen.« Schon im Vorwort seines Buchs »Die wahre Geschichte der Germanen« gibt der Prähistoriker und Direktor des Archäologischen Freilichtmuseums Oerlinghausen, Karl Banghard, die Tonlage vor: Anschaulich, humorvoll und unverblümt schreibt er gegen das Klischee des fellbe­hangenen Berserkers an.

Nicht zuletzt will er dem Germanenstoff damit das völkische Element austreiben. »Man kommt als Archäologe, der sich mit germanischen Gemeinschaften beschäftigt, schnell in den Ruch des Tümelnden: Einer völkischen Vereinnahmung stelle ich die vielschichtige Geschichte des Germanentums gegenüber«, sagt Banghard im Gespräch mit ­der Jungle World. »Es geht also auch darum, Rechte in ihrem ideologischen Kerngeschäft anzugreifen.«

Als Beispiel nennt er das Themenheft »Die Germanen« des von Jürgen Elsässer herausgegebenen Magazins Compact, das »an jedem Kiosk hängt«, wie der Historiker feststellt. »Wer solche Compact-Germanen archäologisch untersuchen möchte, sollte sich an den Grabungen des Kultusministe­riums von Paraguay und der Universität Tübingen in Nueva Germania im südamerikanischen Regenwald beteiligen«, schreibt er polemisch.

»Man kommt als Archäologe, der sich mit germanischen Gemeinschaften beschäftigt, schnell in den Ruch des Tümelnden: Einer völkischen Vereinnahmung stelle ich die vielschichtige Geschichte des  Germanentums gegenüber.« Karl Banghard

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