Zur Arbeit, Genosse
Die Leute drängten sich auf dem Bürgersteig in der Feuerbachstraße in Berlin-Steglitz am 9. August zusammen. Grund war die Wiedereröffnung des Antiquariats Hennwack, das mehr als 400.000 Bücher anbietet. Mehr als 1.000 Menschen seien im Laufe des Tages vorbeigekommen, erzählt der Mitbetreiber Lutz Vössing der Jungle World. »Die Wiedereröffnung war ein sehr guter Einstand und hat uns ein Supergefühl gegeben.«
Über 20 Jahre lang hatte Firmengründer Harald Hentrich das Antiquariat in der Steglitzer Albrechtstraße betrieben. Zum Jahresanfang übergab er es an die neuen Eigentümer, die den Laden nun am neuen Standort als Genossenschaft weiterführen. »So ein Buchladen macht eine Menge Arbeit. Wir wollten die Verantwortung auf viele Schultern verteilen und mit möglichst wenig Hierarchie zusammenarbeiten«, so Vössing über die Entscheidung, eine Genossenschaft zu gründen. Der studierte Literaturwissenschaftler und Philosoph kümmert sich vor allem um das Sortiment. »Es gibt keinen Chef, der alles entscheidet, für alles verantwortlich ist und für alles haftet.«
»Produktivgenossenschaften könnten helfen, Arbeitsplätze zu erhalten und Betriebe zu demokratisieren.« Clemens Schimmele, Genossenschaftsforscher
15 Genossenschaftsmitglieder sind es bislang, wichtige Entscheidungen treffen sie gemeinsam. Jeder von ihnen hat einen Genossenschaftsanteil in Höhe von 300 Euro erworben; eine geringe Einstiegshürde, so Vössing, die dennoch dazu verpflichte, sich um das Antiquariat zu kümmern. Bisher ist es für alle ein Nebenberuf. Erst mit der Zeit wird sich zeigen, wie viel Geld sie erwirtschaften. »Dann werden wir wissen, ob Einzelne das hauptberuflich machen können.« Seit der Wiedereröffnung gibt es im Antiquariat auch neue Bücher, außerdem sind erste Lesungen geplant; die Reihe soll im September beginnen.
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