Am falschen Ort
IIn ihrem Debütroman »Moscow Mule« schildert Maya Rosa das Studentenleben im Moskau der nuller Jahre. Wie ihre Protagonistin Karina und deren Freundin Tonya hat die 1987 in Russland geborene, mittlerweile in Berlin lebende Autorin in Moskau studiert.
In schnellen Dialogen erzählt sie von zwei Freundinnen, die sich mit wenig Geld durch ihr Journalistikstudium und das Moskauer Nachtleben schlagen. Luxuskarossen fahren vor den Clubs vor, der Wodka fließt in Strömen.
Als die Journalistin Anna Politkowskaja unweit des Campus erschossen wird, wissen die jungen Frauen, dass sie am falschen Ort sind: »Die Fakultät stellte den sogenannten putinistischen Glamour dar, einen Spiegel dieser satten, prosperierenden Epoche. Zum größten Teil studierten hier Kinder von Unternehmern, Managern und Regierungsbeamten.«
In schnellen Dialogen erzählt die Autorin von zwei Freundinnen, die sich mit wenig Geld durch ihr Journalistikstudium und das Moskauer Nachtleben schlagen. Luxuskarossen fahren vor den Clubs vor, der Wodka fließt in Strömen.
Karina und Tonya beginnen, über Fluchtpläne nachzudenken. Doch ohne Geld und Kontakte in den Westen ist die Ausreise fast unmöglich. Was ihnen bleibt, sind ausschweifende Partynächte, betrunkene Männer und Gelegenheitsjobs.
Die Autorin lässt sich in »Moscow Mule« – wie der gleichnamige Wodka-Cocktail – ganz auf die Perspektive der jungen Frauen ein und zeigt ein feines Gespür für die gesellschaftlichen Unterschiede, die sich in den Boom-Jahren Russlands immer stärker auftun. Mit wenigen Strichen zeichnet sie die Welt der reichen Ausländer in Moskau, das Leben auf dem Campus und das Elternhaus der Erzählerin.
Der Roman entfaltet eine Sogwirkung
Rosa schreibt über die Scham, aus einfachen Verhältnissen zu stammen, und über kulturelle Schocks aller Art. Das tut sie knapp, pointiert und mit Witz – und vieles bleibt bewusst vage. So schwebt das Unglück einer lieblosen Mutter über der Erzählung, ohne dass man mehr darüber erfährt.
Die Erlebnisse der Frauen sind oft drastisch, manches ist melodramatisch. Besonders in der zweiten Hälfte wird die Handlung abenteuerlich. Doch gerade dadurch entfaltet der Roman seine Sogwirkung. Maya Rosa ist ein echter Pageturner gelungen.
Maya Rosa: Moscow Mule. Penguin-Verlag, München 2025, 261 Seiten, 24 Euro
