»Allah is a lesbian«
Das Urteil ist gefallen: Am 3. September wurde Ibtissam »Betty« Lachgar, eine marokkanische Feministin, wegen »Beleidigung des Islam« zu 30 Monaten Haft verurteilt. Der Grund? Das Tragen eines T-Shirts mit der Aufschrift »Allah Is Lesbian«.
Bereits 2009 hatte sie für Aufsehen gesorgt, als sie während des Ramadan Picknicks in Marokko organisierte, um gegen Artikel 222 des Strafgesetzbuchs zu protestieren, der zwischen einem und sechs Monaten Haft für diejenigen vorsieht, die »offensichtlich« an einem öffentlichen Ort das Fasten brechen. Ein religiöser Würdenträger empörte sich: »Über eine individuelle Freiheit zu diskutieren, die den Islam nicht respektiert, öffnet die Tür für die Missachtung des Vaterlandes und der monarchischen Institution.« Und die islamisch-konservative Partei für Gerechtigkeit und Entwicklung drohte: »Wir können nicht akzeptieren, dass Muslime öffentlich das Fasten brechen.«
Lachgar ist bekennende Atheistin, eine mutige Haltung in einem Land, das sie einst treffend als »Diktatur« beschrieb, in der die Marokkaner »dazu verdammt sind, ihr ganzes Leben lang Muslime zu sein«.
Lachgar ist bekennende Atheistin, eine mutige Haltung in einem Land, das sie einst treffend als »Diktatur« beschrieb, in der die Marokkaner »dazu verdammt sind, ihr ganzes Leben lang Muslime zu sein«. Sie kämpft für Säkularismus und Frauenrechte, während das marokkanische Familiengesetzbuch noch immer Polygamie erlaubt.
Als Verfechterin des Universalismus steht sie dazu: »Ich kämpfe für gleiche Rechte für Frauen auf der ganzen Welt, ohne Rücksicht auf Hautfarbe, Religion oder Grenzen.« Zusammen mit Zineb El Rhazoui, von 2011 bis 2017 Kolumnistin bei Charlie Hebdo, gründete sie das säkulare Mouvement alternatif pour les libertés individuelles (Alternative Bewegung für individuelle Freiheiten) und stand auf der Todesliste des IS.
Nur Platz 120 der Rangliste der Pressefreiheit
Mit ihren Stellungnahmen gegen Prostitution und Kopftuch hat sich Lachgar, die in Frankreich studierte und sich dort ebenso für Frauenrechte engagierte, unter westlichen Feministinnen nicht nur Freunde gemacht. Lachgar ist nur eines der bekanntesten Opfer von Repression in Marokko.
Das Land liegt laut Reporter ohne Grenzen auf Platz 120 der Rangliste der Pressefreiheit. Journalisten, Influencer oder Akademiker werden regelmäßig inhaftiert, insbesondere wegen »Beleidigung des Königs«.