Jungle+ Artikel 25.09.2025
Julie Bindel, Feministin, im Gespräch über den »grooming gangs scandal« und das Versagen von Polizei und Linken bei der Aufklärung von Gruppenvergewaltigungen und sexueller Ausbeutung von Mädchen

»Die missbrauchten Mädchen sind in diesem ideologischen Krieg nur Kanonenfutter«

Seit zwei Jahrzehnten werden in Großbritannien immer wieder Fälle banden­mäßiger sexueller Ausbeutung von Mädchen und sogenanntem »grooming« publik, mittlerweile spricht man vom »grooming gangs scandal«. Über 17.000 Fälle sind in der Kriminalstatistik verzeichnet. Die Polizei schaute jahrelang weg oder glaubte den Opfern nicht, wie der sogenannte Casey Report, ein vom Staat in Auftrag gegebener Bericht, in diesem Sommer bestätigte. Die Frauenrechtlerin Julie Bindel erklärt im Gespräch mit der »Jungle World«, was die Taten mit der meist pakistanischen Herkunft der Täter zu tun haben, wie die Fälle in der identitäts­politischen Linken debattiert werden und wieso Elon Musks Beiträge zu dem Skandal verlogen sind.

Wann erfuhren Sie erstmals, dass in Großbritannien migrantisch-muslimische Männer Mädchen systematisch in die Zwangsprostitution locken?
Das war 1996, als ich in Leeds lebte und begann, feministische Kampa­gnen gegen männliche Gewalt zu ­unterstützen. Über sexuellen Kindesmissbrauch in anderen gesellschaftlichen Institutionen – ob nun zu Hause, in der katholischen Kirche, in kommunalen Kinderbetreuungen oder in Sporteinrichtungen – war ich zu diesem Zeitpunkt längst im Bilde. Von diesem besonderen, da auf der Straße vollzogenen und bandenmäßig organisierten Missbrauch berichteten mir Eltern der Opfer.
Die Täter waren pakistanische Männer, mehrheitlich aus der zweiten Einwanderergeneration, die vom Drogenhandel, damals primär Heroin, auf den Menschenhandel mit jungen weißen Mädchen umgestiegen waren. Dafür nutzten sie ihre ausgedehnten Familiennetzwerke. Es handelte sich also um eine sehr genau bestimmbare Bevölkerungsgruppe in einstigen britischen Industriestädten, deren Arbeiterschaft sich vornehmlich aus pakistanischen Muslimen konstituierte, und nicht um eine Pakistanern inhärente Neigung, Mädchen auf diese bestimmte Weise zu missbrauchen.
Gleichwohl lernte ich bald, dass das Schweigen über diese Verbrechen in den Moscheen und in den Großfamilien damit begründet wurde, dass diese Mädchen dort als mitschuldig galten, da sie ohne Begleitung in der Öffentlichkeit unterwegs gewesen seien. Sie galten demnach als Schlampen. Das erklärt ­übrigens, weshalb es in all diesen Fällen nie zu Zwangsverheiratungen kam.

Noch kein Abonnement?

Um diesen Inhalt zu lesen, wird ein Online-Abo benötigt::