Gekommen, um zu bleiben
»Fast jeder konnte Häuser besetzen, damals war es so einfach«, berichtet Myk beinahe nostalgisch der Jungle World. »Man musste nicht unbedingt in der Szene mitmischen, man brauchte keine bestimmte politische Einstellung.« Er weiß, wovon er spricht, da er früher selbst Häuser besetzt hat.
Mittlerweile ist Myk beim Advisory Service for Squatters (ASS) aktiv. Die Londoner Gruppe hat sich 1975 zu Hochzeiten der Besetzerbewegung gegründet und berät seither ehrenamtlich Besetzer:innen. In den vergangenen 50 Jahren hat sich nicht nur die Hausbesetzerszene in London stark verändert, sondern auch die Repression gegen sie. Seit 2012 drohen Gefängnisstrafen.
Es war nicht immer illegal in England, Wohnraum zu besetzen. Sich gewaltsam Zugang zu einem bewohnten Gebäude zu verschaffen, galt sogar dann als Straftat, wenn dieses besetzt war. Rechtliche Schlupflöcher ermöglichten es Besetzer:innen manchmal sogar, Häuser dauerhaft zu übernehmen. Das alles trug zu einer florierenden Hausbesetzerszene bei. »Mit wenigen Ausnahmen gilt: Wenn ihr ein leerstehendes Gebäude ohne Beschädigungen betreten und sichern könnt, könnt ihr es zu eurem Zuhause machen«, stand dazu in einer älteren Ausgabe des ASS-Handbuchs für Besetzer:innen.
»Politische Hausbesetzungen sind immer noch das beste Beispiel dafür, wie wir uns direkt die Ressourcen aneignen, die wir brauchen.« Myk, Berater beim Advisory Service for Squatters
Unter der konservativen Regierung von David Cameron wurde die Besetzung von Wohnraum 2012 zur Straftat erklärt, die mit bis zu sechs Monaten Gefängnis geahndet werden kann. Danach sank die Zahl der Besetzungen erheblich. Nicht kriminalisiert wurde die Besetzung von Gewerbeimmobilien, daher konzentrieren sich entsprechende Aktivitäten mittlerweile vor allem auf Bürogebäude, ehemalige Schulen oder Kirchen. Seit ein paar Jahren ist wieder eine leichte Zunahme an Besetzungen zu beobachten.
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