Sport-re-dak-teu-rin
Nun sind sie also wieder zurück aus Birmingham, die anderen, und nach allem, was man so hört, hatten sie es dort gut, bloß die schöne Orangenmarmelade mit dem Hauch Champagner von MacKays konnten sie der zu Hause geblieben Sportredakteurin nicht mitbringen. Weil dieser Klassiker als Flüssigkeit gilt und nicht mit ins Handgepäck darf, beziehungsweise halt nein, doch nicht, zwei Liter sind mittlerweile erlaubt, aber das wurde erst am Flughafen bemerkt, wo es keine Marmelade gibt.
Wir hatten einen Praktikanten namens George, der Ire und großer Fan von Manchester United war, weswegen wir ihm versprachen, ihn für das Champions-League-Spiel bei der Dortmunder Borussia zu akkreditieren.
England also, ein Land, das indirekt zu einer der größten Niederlagen beigetragen hat, die besagte Sportredakteurin je erlebte und die, obwohl Jahre, ach was, Jahrende her ist, unvergessen bleibt. Damals arbeiteten wir bei dieser Zeitung. Und wir hatten einen Praktikanten namens George, der Ire und großer Fan von Manchester United war, weswegen wir ihm versprachen, ihn für das Champions-League-Spiel bei der Dortmunder Borussia zu akkreditieren.
Akkreditierungen funktionierten so: Man griff zum Telefonhörer, wählte die dafür vorgesehene Nummer und erklärte langsam und geduldig, was es zu erklären gab, buchstabierte Vor-, Nach- und Zeitungsnamen, gern auch zweimal, versicherte, ein Belegexemplar zu schicken und bedankte sich am Ende für die Akkreditierung.
Nur diesmal lief alles ganz anders. Die Frau am anderen Ende der Leitung fragte ungläubig: »Sie sind was? Sport-re-dak-teu-rin?« und ließ keinen Zweifel daran, dass sie fest davon ausging, es mit einer Hochstaplerin oder einer Verrückten zu tun zu haben, vielleicht auch mit beidem. Weil Sportredakteurinnen, so etwas gab es doch gar nicht.
Sportredakteurinnen? So etwas gab es doch gar nicht
Entsprechend erklärte die Dortmunderin umgehend, dass nein, keine Akkreditierung, alle Presseplätze seien schon belegt. Nach mehreren ähnlich verlaufenden Versuchen setzte eine gewisse Resignation ein, aber aufzugeben kam nicht in Frage. Der Sportchef hatte Urlaub, und so wurde halt der Praktikant gezwungen, selbst beim BVB anzurufen.
George wählte, buchstabierte, versprach und legte nach rund anderthalb Minuten glücklich lächelnd wieder auf. Die Frau von diesem schwarz-gelben Verein freue sich sehr, ihn in Dortmund auf der Pressetribüne begrüßen zu können, berichtete er. Das war schön, aber auch nicht schön und eigentlich auch schon ein Elend.