Eine Liebe, die in der Sauna beginnt
Johan ist Anfang zwanzig, hat sein Studium geschmissen und jobbt im schwulen Saunaclub »Adonis« als Person für alles. Oder nicht ganz für »alles«: Mit den Gästen einlassen darf er sich nur nach Feierabend. Dann verliebt er sich in William, der den Club aber nur einmal besucht, dann bekommt er Hausverbot. Der Saunabetreiber hat nämlich entdeckt, dass William trans ist, aber mit seiner Transition noch nicht weit gekommen ist: Er hat keinen Penis, aber Brüste. Der Chef will nur »echte« Schwule in seinem Club haben! Johan hingegen ist von den echten Männern im Club enttäuscht. Die »Handcremeschwulen«, wie er sie nennt, sind erschreckend angepasst an die von ihm verachtete bürgerliche Gesellschaft, sie klopfen rassistische Sprüche und betrachten es als großen Sieg, dass gleichgeschlechtliche Paare nun auch kirchlich heiraten können. Johan reagiert immer wütender, genießt aber auch die sich entwickelnde Beziehung zu William. Der hat allerdings eine Menge Probleme, mit seinen Eltern, die ihn nicht als Jungen akzeptieren wollen, mit dem dänischen Staat, der die Vorschriften für Geschlechtsumwandlungen immer restriktiver gestaltet, so dass die ersehnte operative Entfernung seiner Brüste in unerreichbare Ferne zu rücken droht. Johan ersinnt einen umwerfenden Plan, um seinem Liebsten zu helfen – und übersieht dabei ganz, dass auch William nicht die Speerspitze der Revolution sein, sondern einfach so leben dürfen will, wie er eben ist. Dass die Sache mit den beiden nicht gutgehen kann, merkt man ziemlich bald – was dann aber passiert, ist unvermeidlich und total unerwartet zugleich.
»Sauna« von Mads Ananda Lodahl ist ein spannender, trauriger und witziger Schwulenroman aus Kopenhagen und noch viel mehr. Man fühlt sich bei der Lektüre der Liebesgeschichte an Gudmund Vindlands unvergesslichen Roman »Der Irrläufer« erinnert.
Mads Ananda Lodahl: Sauna. Aus dem Dänischen von Andreas Donat. Albino-Verlag, Berlin 2025, 248 Seiten, 25 Euro
