13.11.2025
Eine Analyse des Wahlsiegs von Zohran Mamdani in New York City

Jung, dynamisch, antizionistisch

Der demokratische Sozialist Zohran Mamdani wird neuer Bürgermeister von New York City. Sein Wahlsieg zeigt, dass Antizionismus einer politischen Karriere in den Vereinigten Staaten nicht mehr im Weg steht.

»Meine Freunde, wir haben eine politische Dynastie gestürzt«, verkündete der frisch gewählte Bürgermeister von New York City, Zohran Mamdani, vor einer frenetisch jubelnden Menge auf seiner Wahlfeier. Am 1. Januar soll der 34jährige vereidigt werden. Dann wird die größte Stadt der Vereinigten Staaten, die mit einer jährlichen Wirtschaftsleistung von knapp zwei Billionen US-Dollar volkswirtschaftliche Größe aufweist, erstmals von einem Mitglied der Demokratischen Sozialisten Amerikas (DSA) und einem Muslim regiert; als solcher hatte sich Mamdani im Wahlkampf präsentiert.

Während Mamdanis Unterstützer:in­nen einen präzedenzlosen Wahlsieg feiern, sogar von einem neuen Zeitalter sprechen, sind zahlreiche Kritiker:in­nen ob seines radikalen Antizionismus besorgt.

Aufgehalten hat ihn dieser nicht. Mamdani, der Kandidat der Demokratischen Partei, ließ mit 50,4 Prozent der über zwei Millionen abgegebenen Stimmen – es war die höchste Wahlbeteiligung seit 1969 – seinen Kontrahenten Andrew Cuomo, den ehemaligen demokratischen Gouverneur des Bundesstaats New York, deutlich hinter sich, der nur auf 41,6 Prozent kam. Cuomo war nach seiner Niederlage bei den Vorwahlen der Demokraten als unabhängiger Kandidat angetreten.

Jüngst posierte Zohran Mamdani neben Imam Siraj Wahhaj, der die Sharia der Demokratie vorzieht und Steinigung als Strafe für Ehebruch befürwortet.

Dabei war dessen Wahlkampf durch millionenschwere Spenden aus dem Finanz- und Immobiliensektor unterstützt worden. Mindestens 26 Milliardäre, darunter der Unternehmer und frühere Bürgermeister New Yorks, Michael Bloomberg, und der Airbnb-Mitgründer Joe Gebbia, hatten mit über 22 Millionen US-Dollar an Spendengeldern versucht, einen Wahlsieg Mamdanis zu verhindern. Selbst republikanische Politiker und US-Präsident Donald Trump hatten sich für Cuomo ausgesprochen, da der republikanische Kandidat Curtis Sliwa als chancenlos galt. Er landete mit 7,1 Prozent abgeschlagen auf dem dritten Platz.

Die meisten Stimmen erhielt Mamdani von den Asian Americans; 62 Prozent von ihnen stimmten für ihn. Auch in der hispanischen und schwarzen Bevölkerung wählte ihn die Mehrheit. Mamdanis Wahlkampfteam schaltete früh mehrsprachige Kampagnen und betrieb einen intensiven Haustürwahlkampf. In Bezirken mit mehrheitlich niedrigem und mittlerem Einkommen lag der Stimmenanteil Mamdanis ebenfalls über 50 Prozent. Nur in mehrheitlich von Weißen bewohnten Vierteln und in solchen mit hohem Einkommen lag Cuomo vorn. Nirgends aber war Mamdanis Vorsprung so groß wie unter den jungen Wählern. Einer Nachwahlbefragung zufolge stimmten 78 Prozent der unter 30jährigen für Mamdani und nur 18 Prozent für Cuomo.

Von den jüdischen Wählerinnen und Wählern hingegen stimmten 63 Prozent für Cuomo, während nur 33 Prozent Mamdani ihre Stimme gaben.

Steigende Lebenshaltungskosten bekämpfen

Seinen Wahlkampf hatte Mamdani vor allem mit dem Versprechen geführt, die immer weiter steigenden Lebenshaltungskosten in der Stadt zu bekämpfen, wegen derer sich selbst die Mittelschicht das Leben dort kaum noch leisten kann. Er will unter anderem den öffentlichen Wohnungsbau fördern, Mieten einfrieren, den Mindestlohn erhöhen und die Einkommensteuer für Millionäre erhöhen; viel eher ein klassisch sozialdemokratisches Programm, als die Kampagnen gegen den »Kommunisten« Mamdani glauben machen.

Mit Sicherheit waren es aber nicht allein die Sorgen um die Lebenshaltungskosten, die Mamdani den Sieg brachten. Sein Antizionismus dürfte gerade unter jungen demokratischen Wählern eine Rolle gespielt haben, die den jüdischen Staat immer negativer sehen.

Seit Jahren betreibt Mamdani antizionistische Politik und bewies immer wieder mangelnde Distanz zu Islamisten. Der Mann, der die »palästinensische Sache« als »zentral für meine Identität« bezeichnete, gründete bereits zu Studienzeiten eine Gruppe der Organisation »Students for Justice in Palestine« mit, die für die antiisraelische BDS-Kampagne an Universitäten wirbt. Als Rapper Mr. Cardamom feierte er 2017 in seinem Song »Salaam« die Leiter einer ehemaligen islamistischen Wohltätigkeitsorganisation, die 2009 wegen finanzieller Unterstützung der Hamas zu hohen Haftstrafen verurteilt worden waren.

»Hass und Chaos«

Mamdanis erste Stellungnahme nach dem Hamas-Massaker vom 7. Oktober sprach von »Hunderten von Menschen, die in den letzten 36 Stunden in Israel und Palästina getötet wurden«. In keinem Wort erwähnte er darin die Terroristen, die zu dem Zeitpunkt 1.200 Menschen in Israel ermordet und 251 Geiseln genommen hatten.

Während Mamdanis Frau Mitte Oktober den Tod von Saleh al-Jafarawi betrauerte – einem Hamas-nahen Influencer, der am 7. Oktober in den sozialen Medien verbreitete, dies sei der glücklichste Tag seines Lebens –, posierte Mamdani jüngst neben Imam Siraj Wahhaj, der die Sharia der Demokratie vorzieht und Steinigung als Strafe für Ehebruch befürwortet.

Für Aufsehen sorgte auch eine während des Wahlkampfs zutage geförderte Aufnahme Mamdanis, die ihn auf einer DSA-Konferenz im Jahr 2023 zeigt. Dort sagte er in einer Debatte über die Kollaboration der New Yorker Polizei (NYPD) mit Sicherheitskräften aus anderen Staaten: »Wir müssen aufzeigen, dass, wenn das NYPD jemandem den Stiefel auf den Hals setzt, dieser mit den IDF geschnürt wurde.« Elisha Wiesel, der Sohn der Shoah-Überlebenden Elie Wiesel, beschuldigte Mamdani daraufhin, »Hass und Chaos« zu fördern.

Mamdani posierte jüngst neben Imam Siraj Wahhaj, der die Sharia der Demokratie vorzieht und Steinigung als Strafe für Ehebruch befürwortet.

Dass Israel als jüdischer Staat ein Existenzrecht besitzt, mag Mamdani nicht gern einräumen. Lange weigerte er sich, den Aufruf »Globalize the Intifada« zu verurteilen, den unter anderem Organisationen wie die Anti-Defamation League oder das American Jewish Committee als Befürwortung von Terrorakten und wahlloser Gewalt gegen Israelis und Juden weltweit interpretieren. Er sagte dazu, es sei nicht die Aufgabe eines Bürgermeisters, Sprachpolizei zu spielen.

Ob die konservative New York Post mit ihrem Schreckensszenario einer jüdischen Massenflucht aus der Stadt recht behält, darf bezweifelt werden. Sicher aber ist: Auch in New York City steht Antizionismus einer politischen Karriere nicht mehr im Weg.