Was bei der Union für Empörung sorgt
Dass er bei Abschiebungen nach Syrien womöglich nicht so weit gehen wollte wie die Hardliner in der Union, hätte seine Partei dem Außenminister Johann Wadephul (CDU) vielleicht noch nachgesehen. Nicht aber den Vergleich, den er zog, um seine Zurückhaltung zu begründen: In Syrien sei es »schlimmer als Deutschland 1945«.
Anfang November war Wadephul nach Damaskus gereist. Nach einer »halbstündigen apokalyptischen Autofahrt« durch die syrische Hauptstadt, insbesondere den völlig zerstörten Vorort Harasta, sagte er dort: »Hier können wirklich kaum Menschen richtig würdig leben.«
»Hier können wirklich kaum Menschen richtig würdig leben.« Außenminister Johann Wadephul (CDU), nach einer Fahrt durch einen Vorort von Damaskus
Den Vergleich mit 1945 zog er dann am 4. November bei einer Sitzung des Bundeskabinetts in Berlin. »Schlimm« und »desaströs« sei die Rede gewesen, sagte ein namentlich nicht genannter Abgeordneter der CDU. Empört seien die Reaktionen in der Fraktion gewesen, hieß es in verschiedenen Medienberichten, Wadephul sei angeschlagen, die Unterstützung für den Außenminister in der Fraktion schwinde.
Lukas Brandscheid, Landesvorsitzender der Jungen Union in Hessen, sagte im Deutschlandfunk, Wadephul sei »wiederholt durch irritierende Äußerungen« aufgefallen, und legte ihm den Rücktritt nahe. Die Welt attestierte Wadephul eine »inzwischen bekannte Schwäche in Zeitgeschichte« und führte länglich aus, wie schlimm Deutschland nach 1945 zerstört war, während das Auswärtige Amt angeblich gar keinen Überblick haben könne, »inwieweit die Zerstörungen in Syrien wirklich flächendeckend sind«. Unerhört also zu behaupten, die Syrer seien so arm dran wie die Deutschen einst!
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