Chile rückt nach rechts
Die Präsidentschaftswahl in Chile mutet wie eine rechte Vorwahl an, zu der sich eine linke Kandidatin verirrt hat. Am kommenden Sonntag wählen die Chileninnen und Chilenen zwischen acht Kandidaten, von denen vier nennenswerte Aussichten haben, in die Stichwahl am 14. Dezember zu kommen. Eine absolute Mehrheit in der ersten Wahlrunde wird niemandem vorausgesagt.
Zu den vier aussichtsreichen Kandidaten zählt die vormalige Arbeitsministerin Jeannette Jara von der Kommunistischen Partei Chiles (PCCh). Sie ist als Siegerin aus der Vorwahl des linken Parteienbündnisses Unidad por Chile hervorgegangen. Ihr werden die meisten Stimmen im ersten Wahlgang prognostiziert und damit der Einzug in die Stichwahl.
José Antonio Kast, der als chilenische Variante des Typus Donald Trump oder Jair Bolsonaro gilt, hat in seinem Wahlkampf diesmal auf Kulturkampfdemagogie verzichtet.
Dort allerdings dürfte es schwierig werden für Jara, die Nachfolge des linken Präsidenten Gabriel Boric anzutreten, der 2022 für Unidad por Chile gesiegt hatte. Ein Sieg Jaras in der Stichwahl gilt als unwahrscheinlich. In der ersten Wahlrunde besteht ihre mehr oder weniger ernstzunehmende Konkurrenz aus vier rechten Kandidaten. Auf diese werden sich also Stimmen derer verteilen, die nicht wollen, dass es wieder eine linke Regierung gibt. Wer im zweiten Wahlgang gegen Jara antritt, wird aller Wahrscheinlichkeit nach ein Gros der zuvor von rechten Konkurrenten gewonnenen Stimmen auf sich vereinigen können.
Zuletzt wurden dem Rechtspopulisten José Antonio Kast vom Partido Republicano die besten Chancen auf den Einzug in die Stichwahl vorausgesagt. Diese hatte er bereits vor vier Jahre mit klassischen Kulturkampfthemen Wahlkampf erreicht, unterlag dann aber Boric.
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