Kleine Tyrannen
Geradezu niedlich. Der 1942 gefundene T.Rex-Schädel ist etwa 60 Zentimeter groß und gehörte keinem Baby-Dino, sondern einem ausgewachsenen Exemplar der neu klassifizierten Gattung Nanotyrannus
Dinosaurier sind so etwas wie die Einstiegsdroge für die Paläontologie. Alles Wichtige über die Urzeitechsen lernt man schließlich schon als Kind bei Museumsbesuchen und aus »Was ist was«-Büchern – oder sammelt dank einer gewissen Filmreihe und ihrem teils recht kreativen Umgang mit wissenschaftlichen Erkenntnissen zumindest eine Menge Halbwissen.
Entsprechend wenig Bahnbrechendes erwartet man in späteren Lebensjahren aus der Welt von Tyrannosaurus Rex (T. Rex), Triceratops und Co.; wer von der Vorzeit so richtig angefixt ist, befasst sich lieber mit ausgestorbenen Lebewesen, die populärwissenschaftlich und popkulturell noch nicht heillos überstrapaziert wurden.
Nicht so zwergenhaft, wie der Name vermuten lässt
Um das Interesse echter Nerds zu wecken, müssen sich Nachrichten aus dem Mesozoikum also entweder um Lebewesen drehen, die zu ihrer Zeit im Schatten der Dinos standen (vermutlich oft buchstäblich), oder aber wirklich sensationell sein. So wie die beiden Meldungen, die in den vergangenen Wochen die Paläo-Schlagzeilen beherrschten.
Da ist zum einen die »neue« Tyrannosaurier-Gattung Nanotyrannus – die so neu gar nicht ist und mit fünf Metern Länge auch nicht so zwergenhaft, wie der Name vermuten lässt. Schon 1942 wurde im US-Bundesstaat Montana erstmals ein Schädel eines dieser Raubsaurier entdeckt, den einige Forschende später einem jungen T. Rex zuordneten, während andere schon in den Achtzigern vermuteten, dass man es mit dem ausgewachsenen Exemplar einer eigenen Art zu tun hatte.
Nach jahrzehntelanger Debatte wurde jüngst nun ein annähernd vollständiges Skelett mit eindeutigen Wachstumsspuren vorgestellt, die ein reifes Lebensalter von etwa 20 Jahren und damit die Existenz von Nanotyrannus belegen.
Die beiden »mumifizierten« Exemplare weisen ganz eindeutig Hufe auf – ein für Dinosaurier einmaliges anatomisches Merkmal und zugleich ein bemerkenswertes Beispiel für das Phänomen der konvergenten Evolution.
Unumstritten, aber in mehrfacher Hinsicht aufsehenerregend sind zwei Hadrosaurier – wegen ihrer ungewöhnlichen Kiefer auch Entenschnabelsaurier genannt – der Gattung Edmontosaurus aus Wyoming, die durch ihren Einschluss in Lehm als lebensechte Abdrücke konserviert wurden. Diese Pflanzenfresser stellten die häufigste Art in ihrem Habitat und die Lieblingsbeute von T. Rex dar, wie Bissspuren an Knochen belegen.
Offenbar lebten sie in Herden und besetzten eine ähnliche ökologische Nische wie heutzutage Gnus oder Zebras in der afrikanischen Savanne. Und die Ähnlichkeit beschränkt sich nicht auf ihre Lebensgewohnheiten und ihre Rolle als Raubtierfutter: Die beiden »mumifizierten« Exemplare weisen ganz eindeutig Hufe auf – ein für Dinosaurier einmaliges anatomisches Merkmal und zugleich ein bemerkenswertes Beispiel für das Phänomen der konvergenten Evolution.
Die Tatsache, dass die Natur zu ähnlichen Lösungen für ähnliche Anforderungen neigt, erweist sich damit mal wieder als deutlich spannender als der x-te Neuaufguss von »Jurassic Park«.