Jungle+ Artikel 13.11.2025
Ein Besuch bei der rechten Buchmesse ­»Seitenwechsel« in Halle

Langes Warten am Würstchenstand

Die Buchmesse »Seitenwechsel« in Halle (Saale) brachte am Wochen­ende stramm konservative Politiker und Publizisten mit Rechtsextremen zusammen. Beworben wurde die Messe als »Fest für freies Denken«.

Trotzige Endzeitstimmung herrschte am Samstag am Stadtrand Halles. »Wir werden siegen! Ich weiß nur noch nicht, in welchem Jahr.« Heftiger Applaus folgte auf die Weissagung von Gloria von Thurn und Taxis auf der rechten Buchmesse »Seitenwechsel«, obwohl ihren Ausführungen ansonsten bei zu niedriger Bühne und mieser Akustik schlecht zu folgen war. Der Auftritt der rechtspopulistischen Unternehmerin bildete den ersten Höhepunkt der Messe, die an diesem Wochenende erstmals stattgefunden hat. Unklar blieb, wen Thurn und Taxis mit »wir« meinte. 

Die Aussteller waren ausschließlich unter ihresgleichen. Das rechtsextreme Magazin Compact war ebenso vertreten wie Götz Kubitscheks neurechter Verlag Antaios. Zahlreiche Zeitungen mit rechtspopulistischer bis rechts­extremer Ausrichtung wie die Junge Freiheit, die Weltwoche, Tichys Einblick und Zuerst präsentierten sich; Identitäre legten Flyer aus. Der Sturmzeichen-Verlag durfte hingegen nicht ausstellen, obwohl er bis kurz vor dem Wochenende noch im Ausstellerverzeichnis vermerkt war. Die Veranstalter warfen dem Verlag eine »unzulässige Datenmanipulation« vor und luden ihn aus. Der wiederum verwehrte sich gegen den Vorwurf und beklagte, er sei auf Betreiben von Dieter Stein, dem Herausgeber der Jungen Freiheit, ausgeladen worden. Davon abgesehen war trotz aller Konkurrenz trautes Miteinander zu beobachten. 

Vor der Veranstaltungshalle fanden antifaschistische Kundgebungen gegen die Buchmesse statt und mehrere Hundert Menschen blockierten zeitweise die direkte Zufahrt.

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