König ohne Volk
Es gibt ein Schwarzweißfoto von Nick Drake, das Bände spricht: Der Musiker lehnt darin entspannt mit dem Rücken an einer Backsteinmauer. Die Hände liegen an seiner Gürtelschnalle, die Füße sind lässig überkreuzt. Links von ihm ist ein eilender, gehetzt wirkender Mann zu sehen, sein Gesicht ist wegen der Bewegung unscharf – Drake schaut ihn an. Für Jürgen Goldstein, Professor für Philosophie an der Universität Koblenz, illustriert das Foto Drakes künstlerische Haltung. »Während die Welt in Bewegung ist, steht er still. Alle sind in Eile oder haben ein Ziel, er bleibt der Beobachter«, schreibt er in seinem Buch »Nick Drake. Eine Annäherung«. Das dreht sich um das Œuvre des jung verstorbenen Songwriters, der erst posthum in den Charts und in den späten Neunzigern sogar in einem Werbeclip von Volkswagen landete.
Jenes Foto hat der renommierte Fotograf Keith Morris im April 1969 für Nick Drakes Debütalbum »Five Leaves Left« geschossen. Der erste Teil des Buchs nimmt sich dieser Platte an und widmet sich auch Details wie der Typographie auf dem Cover. »Nick Drake« ist in einer altmodisch wirkenden Schönschrift im Bleisatz gesetzt, was an handgeschriebene Briefe erinnert, während der Albumtitel in der Schriftart »Amerikanische Grotesk« gesetzt ist und komplett schnörkellos daherkommt.
Gegensätzlichkeiten entdeckt Goldstein in Drakes Musik, in der er unter anderem die »Spannung von Tradition und Moderne« implizit verhandelt sieht.
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