Profil unerwünscht
Tim Davie machte Karriere als Manager bei Pepsi und engagierte sich bei den Tories, 2018 wurde er zu einem Commander of the Order of the British Empire erhoben, ein Ehrentitel knapp unterhalb der Erhebung in den Adelsstand. Kaum hatte er im September 2020 sein Amt als Generaldirektor der BBC angetreten, mahnte er seine Journalist:innen zur politischen Zurückhaltung auch im privaten Bereich.
Am 9. November reichte Davie seinen Rücktritt ein, ebenso wie Deborah Turness, Leiterin der Nachrichtensparte BBC News. Anlass war der Zusammenschnitt einer Rede von Donald Trump vom 6. Januar 2021 in »Trump: A Second Chance?«, die den Eindruck erweckte, er habe direkt zum Sturm auf das Kapitol aufgerufen.
31 Prozent der am 10. November von Yougov befragten Brit:innen sahen bei BBC einen linken, immerhin 19 Prozent aber einen rechten bias.
Sendungen der BBC seien es »nicht mehr wert, auf den Fernsehbildschirmen der großartigen Menschen im Vereinigten Königreich gezeigt zu werden«, urteilte Karoline Leavitt, die Pressesprecherin des Weißen Hauses. Trump droht nun, die BBC auf eine Milliarde US-Dollar Schadensersatz zu verklagen. Davie räumte »Fehler« ein, betonte aber den »einzigartigen Wert« der BBC und sagte, er bedaure nichts, was unter seiner Amtsführung geschehen sei.
Fehler gab es zweifellos. So blieb in »Gaza: How to Survive a Warzone« unerwähnt, dass die 13jährige Hauptfigur Sohn eines Hamas-Vizeministers ist. Aber welche Fehler sind Ausdruck von bias (Voreingenommenheit, Parteilichkeit)? 31 Prozent der am 10. November von Yougov befragten Brit:innen sahen bei BBC einen linken, immerhin 19 Prozent aber einen rechten bias.
»Gatekeeper« gegen Fake News
Rechte und rechtsextreme britische Politiker:innen aber führen bereits seit längerem eine Kampagne gegen die BBC, der sie eine linke und woke Agenda vorwerfen. Zur Disposition steht dabei auch das Prinzip öffentlich-rechtlicher Medien, deren geschwächte, aber noch immer bestehende Rolle als gatekeeper gegen Fake News ein Hindernis für die ungestörte Verbreitung von Propaganda ist. Tatsächliche und vermeintliche Fehler werden deshalb begierig aufgegriffen.
Als potentielle Nachfolger:innen für Davie werden nun Personen mit wenig politischem Profil und viel professioneller Erfahrung genannt. Unklar bleibt, wie begehrt der Posten bei bereits sehr gut verdienenden Medienmanager:innen noch ist, denn die Anfeindungen werden sicher nicht aufhören.