Blick nach Osteuropa
Die sogenannten Baseballschlägerjahre, die Zeit offener rechtsextremer Gewalt im Ostdeutschland der neunziger und frühen nuller Jahre, sind mittlerweile ein häufig bearbeitetes Sujet im deutschen Kino. Zuletzt befasste sich damit Constanze Klaue in ihrem Familiendrama »Mit der Faust in die Welt schlagen«.
Diese Gewalt war jedoch kein ostdeutsches Spezifikum. In fast allen postsozialistischen Transformationsgesellschaften entstand damals aus Jugendkulturen, die sich Ende der achtziger Jahre entwickelt hatten, eine neonazistische Skinhead-Bewegung, die gegen Linke, Migrantinnen, Homosexuelle und ethnische Minderheiten vorging. In Polen forderte diese Gewalt zwischen 1989 und 2012 nach Zählungen der antifaschistischen Organisation Nigdy Więcej (Nie wieder) 39 Todesopfer.
In Polen forderte rechtsextreme Gewalt zwischen 1989 und 2012 nach Zählungen der antifaschistischen Organisation Nigdy Więcej (Nie wieder) 39 Todesopfer.
In Ostmitteleuropa waren es häufig Roma, die Ziel gewalttätiger Attacken wurden. In der polnischen Kleinstadt Świebodzice, 70 Kilometer südwestlich von Wrocław, griffen einen Tag vor Weihnachten 1996 50 vermummte Jugendliche Wohnhäuser von Roma mit Molotow-Cocktails an. Zum Glück starb niemand. Der Überfall stellte den Höhepunkt einer zwei Jahre andauernden Serie von Übergriffen dar, gegen die die lokale Polizei nicht vorging.
Mit dieser Vergangenheit beschäftigen sich längst Filmemacher in Osteuropa. Allerdings schaffen es deren Werke in den seltensten Fällen in deutsche Kinos oder Fernsehprogramme. Einer der wenigen Orte, an denen diese Filme zu sehen sind, ist das Filmfestival Cottbus, das seit 34 Jahren Anfang November stattfindet. In diesem Jahr feierte dort der Spielfilm »Wrooklyn Zoo« des polnischen Regisseurs Krzysztof Skonieczny seine Deutschlandpremiere. Der Film thematisiert die rechtsextreme Gewalt im Polen der neunziger und nuller Jahre am Beispiel von Wrocław.
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