Crash mit Ansage
In der Regel sehen Wirtschaftsexperten das Platzen von Finanzblasen gar nicht oder erst sehr spät kommen. So geschah es im Herbst 1845, als ein Börseneinbruch dem ersten großen Eisenbahnboom in England ein jähes Ende bereitete und viele Anleger – darunter Charles Darwin – finanziell ruinierte. Zu Beginn unseres Jahrtausends sah es ähnlich aus. Wenige Monate bevor im März 2000 der Dotcom-Crash begann, prognostizierten die meisten Ökonomen noch eine Fortsetzung der Kursrallye von IT-Aktien.
Gegenwärtig bietet sich ein anderes Bild. Noch nie war die Vorwarnzeit so lang wie diesmal. Schon vor fünf Jahren, ganz am Anfang des KI-Booms, erschienen unter anderem in der Financial Times und im Wall Street Journal Artikel, in denen von einer möglichen KI-Blase die Rede war. Mittlerweile warnt fast alle Welt vor deren Platzen.
Schon jetzt ist der Anteil von Krediten an der Finanzierung von KI-Projekten sprunghaft gestiegen. Konzerne wie Meta, die viele Jahre ihre Investitionen aus dem Cashflow finanzierten, haben ihr Finanzgebaren verändert.
Der Internationale Währungsfonds (IWF) und die Bank of England zeigen sich ebenso besorgt wie die Deutsche Bank und die hiesige Wirtschaftspresse. Auch prominente Vertreter der IT-Branche wie Sam Altman, Geschäftsführer von Open AI, Mark Zuckerberg, Jeff Bezos und Bill Gates betätigen sich inzwischen als Crash-Propheten.
In der »Heute-Show« witzelte Oliver Welke Ende Oktober über die »KI-Blasenschwäche«. In derselben Woche hatte die »Tagesschau« vermeldet, dass »der Chipkonzern Nvidia als erstes Unternehmen einen Börsenwert von fünf Billionen US-Dollar erreicht« hat. Infolge dieses Rekordwerts stieg auch der Aktienindex Nasdaq der US-Technologiebörse auf ein Allzeithoch.
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