Eine idealistische Professorin
Im Zuge der Islamischen Revolution von 1979 im Iran flohen nicht nur Hunderttausende Perser aus dem Land – manche schlugen auch den entgegengesetzten Weg ein. Entgegen allen Warnzeichen verbanden viele Exiliraner mit dem Sturz des Schahs die Hoffnung auf eine bessere Zukunft in ihrem Land, die Anhänger der an der Revolution beteiligten Linken oder auch islamistische Anhänger des neuen Machthabers Ayatollah Khomeini. Unter ihnen war die iranisch-amerikanische Literaturwissenschaftlerin Azar Nafisi, deren Buch »Lolita lesen in Teheran« (Untertitel: »Ein Memoir in Büchern«) der israelische Regisseur Eran Riklis unter demselben Titel verfilmt hat.
Die Geschichte beginnt 1979 mit der Einreise Azars (Golshifteh Farahani) und ihres Ehemanns, des Architekten Bijan (Arash Marandi), in den Iran – kurz nach dem Sturz des Schahs, kurz vor der endgültigen Machtübernahme der Islamisten. Wieso sie ihr Heimatland einst zugunsten eines Studiums der englischen und amerikanischen Literatur in den USA verlassen hatte und welche Hoffnungen sie mit dem Sturz des Schahs und ihrer Rückkehr verband, lässt der Film im Unklaren. Doch schon im Flugzeug und bei der Ankunft am Flughafen wird deutlich, wie rasch ihr Idealismus mit der Realität der neuen Herrschaft kollidiert.
»Lolita lesen in Teheran« inszeniert eindringlich die kleinen und großen Zumutungen, denen das – vor allem weibliche – Individuum in der Islamischen Republik ausgesetzt ist.
An Bord wird auf das strikte Einfuhrverbot von Alkohol hingewiesen, ein Grenzbeamter durchsucht anschließend ihr Gepäck und registriert Lippenstift und westliche Romane mit abwertender Skepsis. Erst der Hinweis auf Bijans geplante Tätigkeit als Architekt ermöglicht dem Paar die Einreise – ein erster Anklang der männlichen Herrschaft, unter der Azar sich fortan behaupten muss.
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