Jungle+ Artikel 20.11.2025
Joanne Robertsons neues Album »Blurrr«

Im Modus der Verspieltheit

Joanne Robertson ist Musikerin – und Malerin. Ein Porträt über die englische Künstlerin, deren neues Album »Blurrr« voller Verwunschenem und Esoterischem steckt.

Praktisch, dass man, wenn man im Internet nach einem bestimmten Song sucht, mittlerweile auch oft gleich auf dessen Lyrics stößt. Das gilt besonders für die Lieder von Joanne Robertson, denn die Laute, die sie mit ihrer Stimme produziert, lassen sich beim Hören meist kaum als Worte identifizieren. Es geht Robertson offenbar weniger darum, etwas auszusagen, als um das Erzeugen von abstrakten Klängen und Stimmungen. Ihre hallende Stimme verschwimmt in den nach Lo-Fi klingenden Songs mit den Klängen ihrer Gitarre und auf dem kürzlich veröffentlichten neuen Album »Blurrr« auch mit denen eines Cellos, gespielt vom britischen Komponisten Oliver Coates. Stimme und Instrumente fungieren hier als gleichwertige Klangkörper und treten in einen improvisatorischen Austausch miteinander, ergänzen sich. Ab und zu erhebt sich Robertsons Sopran engelsgleich über den Klangteppich. Das sind die Momente, die diese Musik unverwechselbar und herzzerreißend machen.

Aber zurück zu den Lyrics: Hat man sie vorliegen, so lässt sich feststellen, dass es sich hier zwar tatsächlich um Worte handelt, diese aber mitnichten einen semantisch einwandfreien Zusammenhang ergeben. Vielmehr fügen sich einzelne Wörter und Wortgruppierungen zu enigmatischer Poesie zusammen. Es sind äußerst merkwürdige Impressionen. »Teeth / Your plaque / To grow / I got / Prettiest thing« (Zähne / Dein Plaque (oder doch: Deine Plakette?) / Wachsen / Ich habe / Schönstes Ding), heißt es beispielsweise im funkelnden Opener des Albums mit dem Titel »Ghost«.

Robertsons Worte unterstreichen auf »Blurrr« den Eindruck unschuldiger Wonne, den ihre Stimme erzeugt.

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