20.11.2025
Warum Explosionsmetaphern nichts taugen

Meine Ex(plodierten Kosten)

Sprachkolumne. Warum Explosionsmetaphern genauso gut funktionieren wie eine abstürzende, in Flammen aufgehende Rakete.

»Gestern Nacht ist meine Freundin explodiert / Ich hatte nicht damit gerechnet, darum bin ich blutverschmiert«, sangen Die Ärzte in den Neunzigern im Song »Meine Ex(plodierte Freundin)«. Der Kalauer lässt einen vielleicht nicht explodieren vor Lachen, zeugt aber von einer Zeit, in der Detonationen noch als metaphorische Umschreibung für Wutausbrüche dienten.

Wenn hingegen heutzutage etwas im übertragenen Sinne explodiert, sind es meistens Preise oder Kosten, seltener Schulden, Arbeitslosenzahlen oder Ähnliches. Im Journalismus weiß man: Geld haben alle immer zu wenig, und mit Mathe und zumal Statistik steht der Mensch ohnehin auf dem Kriegsfuß.

Mitunter kann eine Preisexplosion jahrelang andauern. Das verbindet sie mit dem sogenannten Rechtsruck, der zwar eine plötzliche, nur einen Moment andauernde Bewegung bezeichnet, aber trotzdem einfach nicht enden will.

Wenn man also schon über unerfreuliche Zahlen berichten muss, sollte man mindestens eine davon in die Luft jagen, um für ein wenig Freude zu sorgen. Die resultierenden Rauchschwaden illustrieren treffend, wie undurchsichtig all das ist, worüber man schreibt.

Klar ist immerhin: Wenn Zahlen »explodieren«, soll das heißen, dass sie sehr schnell steigen. Aber wie geht das zu? Raketen werden zwar von einer Art kontrollierter Explosion angetrieben, doch ist es nur der Treibstoff, der diese nährt. Wenn die Rakete selbst explodiert, war es das mit dem Höhenflug; übrig bleiben dann nur traurig auf die Erde niederregnende Trümmer.

Explodierte Preise hingegen liegen am Ende nicht in Fetzen, sondern sind höher und imposanter sind als je zuvor. Mitunter kann eine solche Preisexplosion sogar jahrelang andauern. Das verbindet sie mit dem sogenannten Rechtsruck, der zwar eine plötzliche, nur einen Moment andauernde Bewegung bezeichnet, aber trotzdem einfach nicht enden will.

Teuerwehr gegen Inflationslunte und Preisdetonator

Auch wenn Explosionen echte Hingucker sind, will man sie in der Regel vermeiden, denn sie sind sehr laut und machen alles kaputt. Wie also kann man als Teuerwehr wirken und Ausgaben vom Explodieren abhalten? Die Inflationslunte durchtrennen, den Preisdetonator entschärfen, die Funken schlagende Profit-Preis-Spirale vom Netz nehmen?

Nein! Um die zündhaften Zahlen zu zähmen, braucht es eine paradoxe Intervention. Man muss den Rotstift ansetzen, um den Geldhahn zuzudrehen, der die Gießkanne befüllt, mit der die Liquidität verteilt wird, die dann im Kostensumpf versickert. Jeder Tropfen kann das Pulverfass ins Rollen bringen, welches die Teuerungslawine auslöst! Sich selbst kann man ja trotzdem ab und zu eine kleine Finanzspritze genehmigen.