Eine krumme Angelegenheit
Stell dir vor, Tischtennis wird mit einem Fußball gespielt, und zwar unter Einsatz aller Körperteile außer der Arme und Hände anstatt mit einem Schläger. Genau so spielt man Teqball, einen schnell an Beliebtheit gewinnenden und ungewöhnlichen Trendsport. Es klingt nicht nur schwierig – das ist es auch.
Der Name leitet sich vom englischen Wort für Technik ab, weil die Sportart von den Spielerinnen und Spielern extrem gute Fertigkeiten verlangt. Der Weltöffentlichkeit wurde Teqball 2014 während der Eröffnung der Fußball-Weltmeisterschaft in São Paulo in einer Videopräsentation vorgestellt.
Das Herzstück von Teqball ist die gewölbte Tischtennisplatte, drei Meter lang und 1,70 Meter breit, durch ein festes Netz halbiert. Dazu kommt ein schwächer aufgepumpter Fußball.
Begonnen hatte alles am Ufer des Balaton auf einer alten Tischtennisplatte aus Beton. Dort kickte der frühere Fußballprofi Gábor Borsányi den Ball hin und her und fragte sich, wie man diese Sache unterhaltsamer machen könnte. Er arbeitete mit seinem Freund Viktor Huszár zusammen; gemeinsam kamen sie auf den Gedanken, die Platte leicht zu wölben – damit der Ball nicht einfach nur aufspringt, sondern weiterläuft.
Unterstützung erhielten sie vom Unternehmer György Gattyán, nach Angaben von Forbes Magyarország der drittreichste Mann des Landes, der sein Vermögen unter anderem mit dem Erotikdienst Livejasmin machte. So entstand – aus einer Laune und etwas Neugier – eine neue Sportart.
Mittlerweile erfreut sich Teqball weltweit großer Beliebtheit, insbesondere bei Fußballfans. Es ist nicht mehr nur ein Zeitvertreib, sondern eine ernstzunehmende Sportart. Zugleich dient Teqball als Trainingsmethode für Fußballspieler, um ihre technischen Fähigkeiten und ihre Konzentration zu verfeinern.
Das Herzstück von Teqball ist die gewölbte Tischtennisplatte, drei Meter lang und 1,70 Meter breit, durch eine feste Hürde halbiert, die dieselbe Funktion hat wie das Netz beim Tischtennis. Dazu kommt ein etwas schwächer aufgepumpter und somit leichterer Fußball der Standardgröße 5. Gespielt wird im Einzel oder Doppel. Beim Doppel gibt es neben reinen Herren- und Damenmannschaften auch gemischte Teams. Auch Para-Teqball existiert.
Teqball-Clubs in der ganzen Welt
Die Regeln sind unkompliziert. Ein Match wird über zwei Gewinnsätze gespielt. Jeder Satz dauert so lange, bis ein Einzelspieler oder eine Mannschaft zwölf Punkte erreicht hat. Ziel ist es, den Ball mit maximal drei Kontakten zurückzuspielen. Allerdings darf der Ball nicht zweimal hintereinander mit demselben Körperteil gespielt werden. Im Doppel müssen beide Spieler den Ball berührt haben, bevor er zurückgespielt wird. Es ist verboten, die Platte oder den Gegner zu berühren.
In der ganzen Welt wurden Teqball-Clubs gegründet, und einige europäische Fußballvereine, darunter der FC St. Pauli, haben inzwischen spezialisierte Teqball-Teams ins Leben gerufen. Die Sportart gilt derzeit noch als Amateursport, wird jedoch immer mehr auch professionell gespielt. Jungen Fußballerinnen und Fußballern, die im herkömmlichen Fußball weniger erfolgreich sind, bietet sie eine neue Chance, ihr Talent zu entfalten.
Seit 2017 hat Teqball sogar einen eigenen Dachverband: die Fédération Internationale de Teqball (Fiteq) mit Sitz in Budapest. Mittlerweile vereint dieser eigenen Angaben zufolge mehr als 150 Landesverbände.
Bereits 2019 wurde der Verband vom Olympischen Komitee Asiens und der Vereinigung der Nationalen Olympischen Komitees Afrikas anerkannt. Im November 2020 gewährte zudem die Global Association of International Sports Federations der Fiteq die Vollmitgliedschaft.
Jedes Jahr eine Weltmeisterschaft
»Wir richten jedes Jahr Dutzende Wettkämpfe aus«, erzählt der Fiteq-Generalsekretär László Varga der Jungle World begeistert. Der Wettkampfkalender sei randvoll mit nationalen Meisterschaften, regionalen Turnieren, Touren und Serien. »Jedes Jahr organisieren wir eine Weltmeisterschaft. 2024 fand sie in Ho-Chi-Minh-Stadt mit 221 Spielern aus 56 Ländern statt«, fügt er hinzu. In diesem Jahr trage man sie im Dezember in Rumänien aus.
Das Vordringen des Verbands auf den US-amerikanischen Markt könnte strategisch wichtig dafür sein, eines seiner Hauptziele zu erreichen – die Aufnahme des Spiels in das Programm der Olympischen Spiele 2028 in Los Angeles.
Es ist faszinierend zu sehen, wie sich Teqball in so kurzer Zeit zu einer global ausgeübten Sportart entwickelt hat. Auf die Frage, wie das geschehen konnte, antwortet Varga enthusiastisch: »Es ist einfach, dynamisch und spektakulär. Genau das suchen junge Leute heutzutage.«
Auch eigne es sich gut als Straßensportart, denn Teqball brauche wenig Platz und könne problemlos in städtischer Umgebung und im Freien gespielt werden. »Man kann es einfach zu den Menschen bringen, ohne aufwendige Hallen oder Stadien«, fügt er hinzu. Für Teqball konnten große Namen aus der Welt des Fußballs wie Ronaldinho, Lionel Messi, Steven Gerrard, Wayne Rooney und Neymar gewonnen werden.
Seinen Erfolg verdankt Teqball auch den sozialen Medien. Während eine überschaubare Zahl eher traditioneller Sportarten die Berichterstattung im Fernsehen und in Zeitschriften beherrscht, können Fans weniger bekannter oder neuer Disziplinen wie Hyrox oder Puzzeln die Aktivitäten ihrer Lieblinge online mühelos verfolgen.
Hervorragend für Tiktok und Instagram geeignet
Teqball hat davon erheblich profitiert. Die spektakulären und flinken Bewegungen im Teqball eignen sich hervorragend für Tiktok und Instagram. Darüber hinaus hat die Fiteq einen eigenen Youtube-Kanal eingerichtet.
Auch die soziale Funktion darf nicht unterschätzt werden. Wie andere Sportarten sei auch Teqball ein geeignetes Mittel für junge Menschen, der Armut zu entkommen – zum Beispiel in Thailand und Kolumbien, so der engagierte Generalsekretär. Aus Lesotho in Afrika kommt eine reizvolle Initiative: Der lokale Verband hat ein Reisfeld gekauft. Seitdem trainieren die Sportler nicht nur zusammen, sondern bauen auch gemeinsam Reis an. Das stärkt den Zusammenhalt und garantiert ihnen zugleich ein Einkommen.
Jedes Land, jede Region habe ihren eigenen Stil, erzählt László Varga. Zum Beispiel seien die Afrikaner sehr akrobatisch, die Tschechen und Polen hätten eine überragende Fußtechnik und die Brasilianer seien erstklassige Kopfballspieler.
Teqball ist allerdings keine Graswurzelbewegung, sondern stark durch das Immaterialgüterrecht geschützt. Borsányi und seine Partner haben ein Unternehmen gegründet, das die Exklusivrechte für Herstellung und Entwicklung der Spielgeräte sowie Übertragungs- und Sponsoringrechte besitzt. Mittlerweile hat die Mutterfirma ihren Sitz in der Schweiz. Nach Angaben der Entwickler beruhte ihr Geschäftserfolg darauf, dass sie sehr früh erkannten, wie wichtig dieser Schutz ist. Da die Idee, Fußball auf einem gewölbten Tisch zu spielen, vergleichsweise einfach ist, befürchteten sie, dass sie leicht kopiert werden könnte.
Teqball markenrechtlich geschützt
Das Design des Tischs ist nun in mehr als 50 Ländern patentgeschützt und darf ohne Zustimmung des Unternehmens von niemandem kopiert werden. Zudem ist Teqball markenrechtlich geschützt. Darüber hinaus hat das Unternehmen alle erdenklichen Varianten des Namens, wie beispielsweise Teqpong oder Teqvoly, als Markenzeichen eintragen lassen.
Schon vor Jahren fand Teqball Produktions- und Vertriebspartner in Lateinamerika und Asien; man kann sich lukrativer Sponsorenverträge mit Großfirmen wie BMW, Adidas, Coca-Cola und Gatorade rühmen. Außerdem arbeitet es mit großen Fußballvereinen wie dem Arsenal FC, dem Chelsea FC, Real Madrid, dem FC Barcelona, Manchester United und dem AC Mailand zusammen, um nur einige zu nennen.
Doch nicht alles beim Teqball ist eitel Sonnenschein. Der Nachteil ist, dass das Spiel, obwohl einfach, nicht gerade günstig ist. Für eine professionelle Teqball-Platte inklusive Transportkosten werden 3.500 Euro verlangt. Einigen ungarischen Medien zufolge wurden Platten in alle Welt gespendet, sogar in Krisengebiete wie Afghanistan, Somalia oder den Irak. Die Kosten soll das Außenministerium übernommen haben.
Aus einem lockeren Freizeitvergnügen am Strand des Plattensees wurde in wenigen Jahren eine vollwertige, international anerkannte Sportart.
Das ist wahrscheinlich einer der Gründe, warum Fiteq so viele Mitgliedsorganisationen hat. Auch wird berichtet, dass die ungarische Tochterfirma Teqball Kft. seit 2019 jedes Jahr rote Zahlen schreibe. Vor kurzem wurden praktisch alle Angestellten entlassen – vermutlich weil die Auftragsbücher so gut wie leer sind. Dabei sollen reichlich Gelder aus staatlichen und EU-Fördermitteln in die Firma geflossen sein.
Trotz dieser negativen Seiten bleibt der Aufstieg von Teqball bemerkenswert: Aus einem lockeren Freizeitvergnügen am Strand des Plattensees wurde in wenigen Jahren eine vollwertige, international anerkannte Sportart. Das zeigt auch, wie erfolgreich sich mit einer durchdachten Strategie zur Verwertung geistigen Eigentums und den nötigen Geschäftskontakten eine einfache Idee vermarkten lässt.