27.11.2025
Die Berliner Post-Punk-Band Misere

Schnörkellose Angelegenheit

Das selbstbetitelte Debütalbum der Berliner Band Misere besticht mit gefasst und distanziert wirkendem Post-Punk.

Nachdem Misere vor ein paar Jahren mit dem Stück »Kontrolle« auf dem flotten Billo-Sampler »Neues aus der ADK« zu hören waren, liegt nun endlich mehr vor. Das selbstbetitelte Debüt der Berliner Band, die aus Theresa K. Bohmke, Valeria Calderoni, Lisa Schug und Caroline Thole besteht, ist von vorne bis hinten eine schnörkellose Angelegenheit.

Der gefasst und distanziert wirkende Post-Punk kommt betont unaufgeregt daher, was ihn umso aufregender macht. Sanfter Grusel umgibt den Song »Dracula«, während es bei »Geradewas« keine zwei Sekunden dauert, bis einen das Bedürfnis packt, das Tanzbein zu schwingen und die in diesem Stück formulierte Ratlosigkeit – »Wohin mit der Wut« – in Bewegung aufzulösen. Gleiches gilt für »Abrieb«, einen echten Hit. Die Instrumentierung ist konsequent nüchtern, die Lyrics sind karg, doch aus Wenigem wird hier gekonnt viel.

Misere sind das kühlende Gegenmittel zu den seriellen Mini-Krisen, die im Einerlei dieser ätzenden Zeit das Gemüt erhitzen.

»Können wir nochmal?« wird am Ende von »Verschüttet« gefragt. Ja bitte! Und dann gleich nochmal. Und nochmal. Und nochmal. Misere sind das kühlende Gegenmittel zu den seriellen Mini-Krisen, die im Einerlei dieser ätzenden Zeit das Gemüt erhitzen. Dort, wo der Schutt an Bekanntem, Gewöhnlichem und Verblödendem alles Interessante verstellt, räumt diese Band in reduzierter, dafür umso effektiverer Manier auf.

Die sieben Songs, die sie auf dieser Platte in 17 Minuten präsentiert, wappnen passgenau für die kleinen Modalitäten des großen Grauens. Das Album reicht, um den Abwasch zu erledigen, eine Fahrt mit der Berliner U-Bahnlinie 8 zu ertragen oder die »Tagesschau« vollständig zu übertönen. »Du willst hier raus / Doch es ist immer dasselbe/Auf den einen oder anderen Traum / Kommst du später noch«, heißt es in »Edel«. Wie gut, dass Misere fortan selbst zu neuen Träumen anreizen.


Albumcover

Misere: Misere (Static Age Music/Mangel Records)