Keine Grenze hält sie auf
Girl- und Boybands aus Südkorea sind längst zur milliardenschweren Industrie geworden. Mit BTS gelang einer südkoreanischen Boyband der sehr erfolgreiche Sprung aus Liebhaberkreisen in die weltweite Popkultur, bis die sieben Bandmitglieder zum 18monatigen Wehrdienst eingezogen und ihre Musikkarrieren bis Juni dieses Jahres unterbrochen wurden. Während bei BTS alle Mitglieder aus Südkorea stammen, öffnet sich der von großen Entertainment-Unternehmen kontrollierte Markt spätestens seit der globalen Erfolgswelle verstärkt auch für internationale Musiker. Viele Acts stammen aus Japan, einige aus China, Thailand oder Taiwan – doch ein Nordkoreaner war bislang nicht darunter. Mit 1Verse hat sich das nun geändert.
Überhaupt wirkt diese Band in vielerlei Hinsicht wie ein Sonderfall. Sie besteht aus den beiden Nordkoreanern Hyuk und Seok, die aus ihrem Heimatland geflohen sind, dem Japaner Aito sowie den US-Amerikanern Kenny und Nathan, Ersterer mit chinesischer und Letzterer mit thailändisch-laotischer Herkunft.
Ihre internationale Zusammensetzung verklären sie zur hoffnungsvollen Botschaft. Schon die Entstehung von 1Verse liest sich wie eine underdog story im knallharten Entertainment-Geschäft: gegründet 2025 beim jungen Label Singing Beetle in Seoul, also fernab der großen Produktionshäuser, erregte ihr Debüt-Singlealbum (ein südkoreanisches Format, das einer Single oder EP entspricht) dennoch Aufmerksamkeit. »The 1st Verse«, erschienen im Juli, verkaufte sich bislang nur rund 5.600 Mal. Es ist kein Massenphänomen, aber beachtlich für eine Gruppe, die aus dem Nichts kam. Ihre Fanbase wächst vor allem in den USA. In Südkorea dagegen verursacht 1Verse eine gewisse Unsicherheit: Bewunderung und Misstrauen mischen sich, wie so oft, wenn Leute aus der Reihe tanzen.
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