Jungle+ Artikel 27.11.2025
Das Jahrzehnt der sanften Jungs

So zart waren die Boybands der Neunziger

Alles an ihnen wirkte affektiert und künstlich – in den Neunzigern war die Blütezeit der zusammengecasteten Boybands, deren Marketing nicht gerade subtil war. Dafür ernteten sie viel Spott und Ablehnung, aber sie konterkarierten erfolgreich Männlichkeitsideale.

»Everybody groove to the music / Everybody jam«. So lauten zwei Songzeilen aus der Debüt-Single der Backstreet Boys, die im Herbst 1995 erschien und einige Interjektionen enthält: »Oh, ah-oh, hey«. Vor 30 Jahren war Nick Carter bereits festes Mitglied der Boyband, doch im Song hört man ihn nicht; vermutlich befand er sich damals im Stimmbruch. So ging es bestimmt auch vielen der Fans der Band; das Marketing zielte schließlich auf ein junges Publikum.

Der Gründer und Manager der Backstreet Boys, der Geschäftsmann Lou Pearlman, soll einmal gesagt haben, dass das Phänomen Boybands erst zu Ende sei, wenn Gott keine kleinen Mädchen mehr erschaffe. Es dauerte nicht lang, bis die Gruppe international in den Charts und als Poster in den Zimmern vieler Teenagerinnen landete. Aber auch in einigen Zimmern ihrer männlichen Altersgenossen dürften sie gehangen haben, auch wenn es für Jungs damals bestimmt nicht so einfach war, das offen zuzugeben. Wenig später sorgten Bands wie *NSYNC für Konkurrenz auf dem Markt. Keine Frage: Die Neunziger waren die goldene Ära der Boybands. Die Weichen dafür hatten in den USA allerdings schon vorher andere Gruppen gestellt.

Dass auch Eminem wie die Boybands ein Händler der Gefühle ist, geht unter in einer binären Sicht, die Popmusik nur entweder als authentisch oder als künstlich begreifen kann.

So gelang der Popband New Kids on the Block bereits Ende der Achtziger der kommerzielle Durchbruch. »In Boybands gibt es richtige Archetypen. Die New Kids haben damit angefangen«, sagt Lance Bass von *NSYNC in dem Film »Larger Than Life – The Story of Boybands«. Bei New Kids on the Block war genau festgelegt, welches Mitglied den Schüchternen, den Herzensbrecher oder den bad boy mimen sollte. Diese Erfolgsformel hat das Konzept späterer Boybands maßgeblich geprägt.

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