Jungle+ Artikel 04.12.2025
Die Autobiographie des SDS-Vorsitzenden und Verlegers KD Wolff

Von Kim Il-sung zu Kafka

Erst SDS-Vorsitzender, dann Verleger deutscher Klassiker – KD Wolff breitet sein Leben für seine Autobiographie »Bin ich nicht ein Hans im Glück?« aus. Das Buch beantwortet nebenbei die Frage, wie es der Altachtundsechziger im Gegensatz zu vielen seiner Genossen schaffte, seine Haut zu retten.

Es ist ein auf den ersten Blick unschuldiger Titel, den die lang erwarteten Memoiren des Verlegers KD (bürgerlich: Karl Dietrich) Wolff tragen. In »Bin ich nicht ein Hans im Glück?« erfasst Wolff das politische Scheitern der Achtundsechziger und den Umgang mit diesem Scheitern anhand des eigenen Lebenslaufs und hält so ein Stück bundesrepublikanischer Zeitgeschichte fest.

Die Memoiren führen von der Erinnerung an Kindheit und Jugend im Nachkriegswestdeutschland über die Rebellion gegen das Schweigen und die Verleugnung der Eltern zur Protestbewegung von 1968, an deren zumindest organisatorischer Spitze Wolff als (letzter ordentlicher) Bundesvorsitzender des Sozialistischen Deutschen Studentenbunds (SDS) stand.

Der Schriftsteller Friedrich Dieckmann scherzte einmal: Von 1848 blieben nur Wagner und Bayreuth, von 1968 nur KD Wolff und sein Verlag.

Nachdem die Einheit der Protestbewegung futsch war und es mit der Verwirklichung der antiautoritären Emanzipationsansprüche wieder einmal nichts wurde, Hans-Jürgen Krahl bei einem Autounfall ums Leben kam, Rudi Dutschke ein Attentat eines Rechtsradikalen nur knapp überlebte und sich eine Zeitlang nicht mehr in der BRD aufhielt (die Protestbewegung also ihre »theoretische Autoritäten« verloren hatte), der SDS am Ende war und 1970 per Akklamation aufgelöst wurde und so manche sich daraufhin der Illegalität und dem Guerillakampf zuwandten, gelang zumindest Wolff eine Umwälzung des eigenen Lebens: Er wurde Verleger. Seine Erinnerungen folgen diesem Weg aus der linksradikalen Nische ins kulturelle Herz des dann wiedervereinigten Deutschlands.

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