Dramatisches Türenknallen
Einen festen Freund zu haben, fühle sich dieser Tage fast schon wie ein politisches Bekenntnis zu den Republikanern an, kommentierte eine Hörerin des Podcasts »Delusional Diaries«. In einer Folge hatten die zwei New Yorker Gastgeberinnen Holly und Jaz das Für und Wider des Single-Seins debattiert. Die britische Journalistin Chanté Joseph hat diesen Kommentar wiederum in ihrem vieldiskutierten Meinungsstück »Is Having a Boyfriend Embarrassing Now?« aufgegriffen, das Ende Oktober in der Vogue erschienen war.
Darin spürt Joseph einem Trend auf Social Media nach: Anders als früher stellten heterosexuelle Frauen ihre Beziehungen nicht mehr so offen zur Schau, versteckten sie mitunter sogar. Noch vor einem Jahr diagnostizierte ein Beitrag auf »Tell the Bees«, Josephs Lieblingskanal bei Substack, Tiktok sei ein »boyfriendland«. Ganz im Gegensatz zu Männern, würden die allermeisten Frauen ihre Internetpersönlichkeit rund um ihren Beziehungspartner inszenieren, ihn als Statussymbol präsentieren, nach dem Motto: Schau mal, wen ich mir geangelt habe und was für eine perfekte Frau ich für ihn bin. Tatsächlich gibt es ein ganzes Genre in sozialen Medien, bei dem zum Beispiel die Ehepartnerinnen von Fußballprofis ihre Karriere als Influencerinnen oder wahlweise auch als sogenannte Momfluencerinnen auf der Berühmtheit ihrer Männer aufbauen.
»Wir haben keinen Raum mehr für Crushes, mit dieser Phantasie ist es vorbei. Diese Wahnvorstellung, ich ertrag’s nicht mehr.« Rosalía (Sängerin)
Noch kein Abonnement?
Um diesen Inhalt zu lesen, wird ein Online-Abo benötigt::