Jungle+ Artikel 04.12.2025
Die Folgen des Anschlags auf ­Nationalgardisten in Washington, D.C.

Das Märchen vom Notstand

In der Nähe des Weißen Hauses hat ein ehemaliger afghanischer CIA-Bediensteter ein Mitglied der Nationalgarde erschossen und ein weiteres schwer verletzt. Obwohl die Gewaltkriminalität in Washington, D.C., insgesamt rückläufig ist, nutzt US-Präsident Trump den Vorfall, um seinen harten Kurs gegen Migration zu verschärfen.

In einer Stadt wie Washington, D.C., wo es in diesem Jahr bereits 123 Morde gegeben hat, ist es ein leider alles andere als ungewöhnlicher Zwischenfall: Am 26. November kam es nur zwei Häuserblocks vom Weißen Haus entfernt zu einem Schusswaffenangriff, bei dem zwei Menschen schwer verletzt wurden, von denen einer am nächsten Tag starb. Dass der Fall dennoch hohe ­Wellen schlägt, liegt an der Identität der Opfer – und der des Täters. Überlebt hat der 24jährige Andrew Wolfe; die Getötete ist die erst 20jährige Sarah Beckstrom. Beide gehörten der Nationalgarde von West Virginia an; ihre Einheit ist auf Befehl von Präsident Donald Trump in der Stadt, um gegen eine vermeintliche Welle von Gewalt vorzugehen.

Tatsächlich liegt die Zahl schwerer Straf- und Gewalttaten in der US-Hauptstadt derzeit rund ein Drittel unter dem Vorjahresniveau. Zugleich ist die Zahl der festgenommenen Mordverdächtigen deutlich gestiegen. Von einem tatsächlichen Notstand kann also keinesfalls die Rede sein, es sei denn, man hält wie US-Präsident Donald Trump Obdachlosigkeit für ein Verbrechen.

Die US-Heimatschutzministerin Kristi Noem behauptet, der Tat­verdächtige Rahmanullah Lakanwal sei ohne die nötigen Überprüfungen ins Land gekommen – Belege dafür blieb sie schuldig.

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