»Für Maduro ist die Form nicht relevant«
Sie haben Venezuela verlassen, weil Sie eine Auszeit von dem Druck nehmen wollten, unter dem Journalist:innen in Venezuela stehen. Wie ist dort die Situation für kritische Berichterstatter:innen derzeit?
In Venezuela ist seit 25 Jahren ein Regime an der Macht, das immer autoritärer wird. Derzeit ist kein Berichterstatter und keine Berichterstatterin mehr sicher, alle können auf Schwarzen Listen des Regimes landen. Schockiert hat mich zuletzt die Festnahme eines befreundeten Journalisten, der eng mit mir zusammengearbeitet hat, durch spezielle Einsatzkräfte der Polizei in Caracas. Die Angst vor willkürlichen Festnahmen, vor manipulierten Verfahren gehört für viele Kollegen in Venezuela zum Alltag. Für mich war das der Grund, weshalb ich seit ungefähr 2022 meine Artikel kaum noch mit meinem Namen unterzeichnete und weshalb ich seit rund zehn Monaten nicht mehr in Caracas lebe. Ich brauchte eine Pause.
Geht das Regime Maduro ganz unverblümt geht Berichterstatter:innen vor?
Der Staat ist zum Feind der Berichterstatter:innen geworden. Er geht gegen uns vor, schützt die Medien nicht, sondern behandelt sie vielmehr als seine Feinde.
»Die Angst vor willkürlichen Festnahmen, vor manipulierten Verfahren gehört für viele Kollegen in Venezuela zum Alltag.«
Wann hat aus Ihrer Perspektive dieser Prozess der Kriminalisierung der Medien begonnen?
Schon früh unter dem damaligen Präsidenten Hugo Chávez (regierte von 1999 bis zu seinem Tod 2013; Anm. d. Red.). Damals ging die Regierung nicht so offen und rigoros gegen die Medien vor. Ja, es gab Angriffe auf kritische und oppositionelle Medien, man versuchte, die Kontrolle über sie zu erlangen. Die Regierung kaufte unliebsame Medien auf, um sie dann zu schließen. Mit dem, was unter Maduro passiert, ist das nicht zu vergleichen. Heute werden in Venezuela Menschenrechte verletzt, es wird gefoltert.
Noch kein Abonnement?
Um diesen Inhalt zu lesen, wird ein Online-Abo benötigt::