Intimer als jede Psychotherapie
Es gibt eine verlässliche Regel in der Mediengeschichte: Sobald ein neues technisches Format auftaucht, ist die Pornographie zur Stelle, um es zu nutzen. In der Steinzeit ritzten Menschen Genitalien auf Höhlenwände, kaum dass sie Holzkohle in die Hände bekommen hatten. Sobald das bewegte Bild erfunden war, filmten Leute Geschlechtsakte. Und noch bevor das Internet massentauglich wurde, gab es halblegale Cam-Seiten, auf denen pixelige Brüste zu sehen waren.
Nicht nur war die Pornographie stets früh dabei, sie erfand das virale Video gleich mit. Denn es war kein Musikclip, keine Werbekampagne, nicht einmal Katzen-Content, der 1997 über Millionen von Bildschirmen flimmerte, sondern ein Sextape von Pamela Anderson und ihrem damaligen Ehemann Tommy Lee. Das war der Durchbruch des Digitalvideos.
Aus alledem lässt sich eine Art kulturelle Konstante ableiten: Wer verstehen will, wie neue Technologien funktionieren, muss verstehen, was die Pornoindustrie damit macht. Youtube mag früh die Nacktheit verboten haben. Aber es dauerte keine drei Monate, bis mit Youporn ein Portal entstand, das ausschließlich für pornographische Inhalte gedacht war.
Die Geschichte ist immer ähnlich: Verbote verschieben den Ort, an dem das Begehren befriedigt wird, nie das Begehren selbst.
Die Blog-Plattform Tumblr war zunächst ein chaotischer Zoo aus Emo-Gifs, Fan-Fiction und Softpornos. Dann wurden dort die sogenannten Erwachseneninhalte verboten. Das Ergebnis war, dass der Traffic auf der Website einbrach.
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