Das Face als Farce
Auf Laufstegen und in Magazinen sah man im Herbst 2024 plötzlich überall ultrakurze Hosen. Im Frühjahr diesen Jahres brachte der italienische High-Fashion-Hersteller Miu Miu dann Microshorts in Form von knappen Unterhosen auf den Markt, die, mit Blazern kombiniert, im ganz normalen Alltag getragen werden sollen. Im Juni verkündete die britische Vogue, Miniröcke seien jetzt »even shorter«, und gab Tipps zum Styling – zum Beispiel in Kombination mit einem Bikini-Top. Bauchfrei bedeutet, wieder Nabel zeigen, die Rock- und Hosenbünde rutschen wieder unter die Hüftknochen.
Ein paar Modejournalisten haben die Freilegung so weiter Teile des Körpers eine feministische Provokation genannt. Doch provoziert es wirklich, Körper auszustellen, denen all das fehlt, was gemeinhin als Makel angesehen wird: Fett, Cellulite, Dellen oder einfach Beine einer durchschnittlichen Form und Länge? Den Body-Positivity-Trend hat die Modeindustrie in jedem Fall längst hinter sich gelassen. Gezeigt werden all die Mikrokleidungsstücke an Körpern, die dünn genug sind, um absurderweise genau das nicht zu zeigen, was als die größte Obszönität von allen gilt: dass der Körper Dinge tut, die sich der bewussten Kontrolle entziehen.
Vielleicht könnte man Body Positivity so zusammenfassen: Wer schön sein will, muss leiden – wer hässlich sein will aber auch.
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