Das Ballett der Muskelberge
Offiziell hat das Posieren beim Bodybuilding keinen Einfluss auf die Bewertung der Preisrichter:innen. Doch bei der Internationalen Deutschen Meisterschaft schien das Publikum auf Nummer sicher gehen zu wollen. »Arsch, Tim! Arsch!« rief eine nervöse Unterstützergruppe einem Athleten auf der Bühne zu, der bei der Präsentation seiner Muskeln offenbar das Gesäß vernachlässigte. Tim justierte nach und erntete anfeuernde Zurufe. Als dann die sogenannte seitliche Trizeps-Pose drankam, kannte die Begeisterung kein Halten mehr. »Jaaa, das ist unser Junge!« schrie einer.
Knapp 200 Athlet:innen gingen Anfang Dezember in der badischen Kleinstadt Wiesloch im Kongresszentrum Palatin an den Start – fast so viele, wie als Zuschauer:innen Platz nahmen. Besonders groß waren die Delegationen aus Bayern, Baden-Württemberg und Hamburg. Das leistungsscheue Berlin war nur mit vier Teilnehmer:innen vertreten, die zu Survivors »Eye of the Tiger« einliefen.
Die Körper der Bodybuilder seien »nur als Bilder hart. In der Realität werden sie gehegt und gepflegt wie kostbare Kunstwerke«, sagt der Kunstwissenschaftler Jörg Scheller.
Auf der von Theodor W. Adorno mitentwickelten F-Skala gelten Kraftmeierei und die »übertriebene Zurschaustellung von Stärke und Robustheit« als Erkennungsmerkmale der autoritären Persönlichkeit. Klaus Theweleit entwickelte in seinen »Männerphantasien« die These vom »Körperpanzer« als fleischlichem Schutzwall der faschistischen Männer gegen das Weiche und Zärtliche. Das Ideal der soldatischen Männlichkeit übte schon immer eine ungemeine Faszination auf alte und neue Rechte aus. Da liegt der Verdacht nahe, dass die durch eiserne Disziplin gestählten Leiber des Bodybuildings ebenfalls eine einschlägige Klientel anlocken.
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