Jungle+ Artikel 18.12.2025
Vom Maga-Hut zum Officecore – die Mode der US-Rechten

Die Ästhetik der Reaktion

Vom Maga-Hut zum Officecore: über Donald Trumps konformistische Rebellion gegen die zuvor etablierte Ästhetik des Minimalismus und der Nützlichkeit.

Ist Donald Trump ein Faschist? Wenn man den Historiker Timothy Snyder fragt, dann ja; er hat ihn in den vergangenen Wochen wiederholt so bezeichnet. Doch nicht alle sprechen von Faschismus. Jonathan Freeland spricht im Guardian von den USA als »Mafiastaat«, Marc Lazar in Le Monde von »illiberaler Demokratie«. Anne Applebaum wiederum sieht das Land auf dem Weg in die Autokratie.

Orientiert man sich an Walter Benjamin, dann hat der Trumpismus mit dem Faschismus zumindest eines gemeinsam. »Der Faschismus läuft folgerecht auf eine Ästhetisierung des politischen Lebens hinaus«, schrieb Benjamin 1935 in »Das Kunstwerk im Zeitalter seiner technischen Reproduzierbarkeit«. Und genau das, eine Ästhetisierung der Politik, lässt sich derzeit auch in den USA beobachten.

Alles begann mit einer Mütze. Die ersten Graphiken für Trumps Kampa­gne während der Kampagne zu den Vorwahlen 2016 waren nicht wirklich spektakulär. Blau, weiß, rot; großer Name, wenig Inhalt, kaum Wiedererkennungswert. Selbst als er am 23. Juli 2015 in Laredo, Texas, erstmals mit einer weißen Baseballmütze mit dem in dunkelblau aufgestickten Claim »Make America Great Again« auftauchte, fehlte noch etwas. Erst der rote Maga hat mit weißer Schrift in Times New Roman wurde ikonisch.

Niemand weiß, wie viele Millionen dieser Kopfbedeckungen verkauft worden sind, weil es sich bei einem großen Teil von ihnen um billige Fälschungen handelt. Doch allein die offiziellen Verkäufe sorgten während des Wahlkampfs 2016 für täglich 80.000 Dollar Einnahmen. Mit einfachsten Mitteln war es Trump gelungen, die stärkste visuelle Marke in der US-Politik seit Shepard Faireys »Hope«-Poster für Barack Obamas Wahlkampf 2008 zu etablieren.

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