Frei vom Tarifvertrag
Die junge Frau trägt Sonnenbrille und Atemmaske, um anonym zu bleiben. »Hallo, ich bin Sozialarbeiterin und arbeite in einer Beratungsstelle gegen sexualisierte Gewalt hier in Berlin«, erzählt sie in einem Instagram-Video. Veröffentlicht wurde es vom Solidaritätstreff Soziale Arbeit Neukölln, einem selbstorganisierten Zusammenschluss von Beschäftigten freier Träger, die für bessere Arbeitsbedingungen kämpfen wollen.
Die Anonymität hatte einen Grund, denn genaugenommen ging es in dem Video um illegales Handeln. Unter dem Kampagnenmotto »Sick-out statt Burn-out« traten Mitte Dezember einige Beschäftigte bei freien Trägern in Berlin für einen Tag in einen wilden Streik. Nach deutschem Recht ist die Arbeitsniederlegung nur erlaubt, wenn sie offiziell von einer Gewerkschaft unterstützt wird.
Nach deutschem Streikrecht ist die Arbeitsniederlegung nur erlaubt, wenn sie offiziell von einer Gewerkschaft unterstützt wird.
»Diesen Sommer war ich kurz vorm Burn-out, und das lag nicht an den schlimmen Geschichten, die ich tagtäglich höre, sondern an diesem kaputten System«, erklärt die Frau im Instagram-Video ihre Beweggründe. »Wenn du junge Frauen, die akut von Gewalt bedroht sind, wieder nach Hause schicken musst, da es keine Frauenhausplätze mehr gibt, oder du mitbekommst, wie Menschen in einer suizidalen Krise keine Hilfe bekommen, dann macht das ohnmächtig, und diese Ohnmacht macht krank.«
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