Jungle+ Artikel 01.01.2026
1995 erschien die deutsche Übersetzung von »I Furiosi«

30 Jahre wütend

1995 erschien die deutsche Übersetzung von Nanni Balestrinis »I furiosi«. Das Buch machte die italienische Ultra-Bewegung erstmals einem größeren Publikum in Deutschland bekannt.

Heutzutage sind Ultras als Motor der Fankurven aus keinem Fußballstadion wegzudenken – von der 1. Bundesliga bis zur Regionalliga. Zum Beginn der diesjährigen Bundesligasaison war sich die Bild-Zeitung nicht zu blöd, ein »Ultra-Ranking« abzudrucken.

Dieses basierte auf den fragwürdigen und kaum messbaren Kriterien »Besetzung von (Ex-)Ultras in der Führung, Beteiligung an Vereinsentscheidungen, Toleranz gegenüber der Kurve« und wurde begleitet von warnenden Worten darüber, wie viel Einfluss die jeweiligen Ultra-Szenen auf ihre Vereine hätten.

Das war nicht immer so. Ultra-Gruppen, denen Bild nun eine gefährliche Machtstellung im Profifußball andichtet, entstanden zunächst in den Jahren um die Jahrtausendwende als kleine ­enthusiastische Zirkel junger Leute – inmitten eines Meeres aus bierbäuchigen Kuttenfans und »Normalos«.

»›I furiosi‹ beschrieb die Welt, wie wir sie uns damals nur erträumten.« Henning, Gründer von Ultrà Sankt Pauli

Eine wichtige Inspirationsquelle dieser Fußballfans, die dem Ursprung des Worts »Fan« – fanatic – die Treue hielten, sich selbst aber ­Ultras nannten, war das Buch »I furiosi« – auf Deutsch als »Die Wütenden« erschienen – über die Brigate Rossonere (rotschwarze Brigaden) beim AC Mailand. Der Jungle World erläutert der Kulturwissenschaftler und langjährige Vorsänger bei Chemie Leipzig, Alexander Mennicke, die Bedeutung des Buchs für die ­Ultra-Subkultur: »Italien ist das Mutterland der Bewegung, und als solches war es auch für die Ausprägung von Ultras in Deutschland stilprägend.«

Noch kein Abonnement?

Um diesen Inhalt zu lesen, wird ein Online-Abo benötigt::