08.01.2026
AfD-Politiker erkennen in US-­Präsident Donald Trump ein Vorbild

Am deutschen Wesen …

Einige AfD-Politiker feierten das Vorgehen des US-Präsi­den­ten Trump in Venezuela geradezu euphorisch. Sie sehen eine neue Weltordnung heraufziehen, in der Groß­mächte über ihre Einflusssphären frei verfügen können.

Offenbar ist man sich auf Seiten der extremen Rechten in Deutschland nach wie vor uneins darüber, wie man sich zu den USA unter Präsident Donald Trump verhalten soll. Auf die Entführung von Venezuelas Diktator Nicolás Maduro reagierte Maximilian Krah (AfD) geradezu euphorisch. Auf X schrieb er, dass das Vorgehen der Regierung Trump gegen den lateinamerikanischen Despoten genau den eigenen Vorstellungen rechter Geopolitik entspreche. Wer nicht verstehe, dass das Vorgehen Trumps im US-amerikanischen »Großraum« legitim sei, der habe die eigene Weltanschauung nicht verstanden.

»›Großraumordnung‹ statt ›rule-based‹ Losertum à la Baerbock« – so fasst Krah zusammen, was Maduros Entführung in seinen ­Augen bedeutet. Er feiert Trumps Vorgehen, weil sich in seinen Augen damit eine neue Weltordnung ankündigt, in der auch Deutschland bald einen weiteren Anlauf unternehmen könnte, seinen »eigenen« Großraum zu dominieren, nachdem der bislang letzte solche Versuch am 8. Mai 1945 beendet worden war.

Denn auch Nationalsozialisten (und nicht erst sie) träumten in Deutschland davon, in Europa einen Großraum unter deutscher Vorherrschaft zu errichten. Offenbar hofft Krah angesichts einer Weltlage, in der Staatslenker wie Trump und Putin den Schleier des Völkerrechts zerreißen, auch in Deutschland auf eine geopolitische Enthemmung.

»›Großraumordnung‹ statt ›rule-based‹ Losertum à la Baerbock« Maximilian Krah, AfD

In den eigenen Reihen scheinen sich jedoch nicht alle Mitstreiter Krahs darauf einigen zu können, dass Trump »der Katechon« (Aufhalter) ist, wie Krah auf X schrieb. Er benutzt hier einen zentralen Begriff aus der politischen Theologie des faschistischen Staatsrechtlers Carl Schmitt, den dieser Stichwortgeber der Neuen Rechten aus der christlichen Apokalyptik in die Politik überführt hatte – der Katechon ist hier die Macht, die den Antichristen »aufhält« und so das Jüngste Gericht hinauszögert. Insbesondere in der russischen Orthodoxie spielte und spielt dieses Konzept eine große Rolle.

Schmitt wollte damit die politische Kraft bezeichnet wissen, die sich der liberalen Zersplitterung und Auflösung des Althergebrachten, oder um im Bild zu bleiben: dem Antichristen und dem Chaos, entgegenstelle. Rechte und andere Apokalyptiker sind seit jeher auf der Suche nach diesem Aufhalter. Bisher galt vielen in Europa das Russland Wladimir Putins als die Macht, die sich den liberalen Kräften der Auflösung und »Verweichlichung« entgegenstelle und auf deren Schultern man sich gerne setzen würde.

Krah zählt nun auch Trump zu den religiösen Heilsfiguren. Diese zeichnet aus, dass sie sich mit entsprechender Rhetorik und entsprechendem Auftreten über den Versuch hinwegsetzen, politische Macht vertragstheoretisch einzuhegen. Aus dem Darwin zugeschriebenen Prinzip des Überlebens des Stärksten macht die deutsche Geopolitik, in deren Tradition Krah steht, das »Recht des Stärkeren«, absolute Macht auszuüben, als universelles Prinzip der Menschheitsgeschichte – was viel über die Bedürfnisse und das Selbstbild Krahs aussagt.

Beginn der »multipolaren Weltordnung«

Bereits nach der ersten Wahl Trumps 2016 stellten sich die um intellektuellen Anspruch bemühten Rechtsextremen unter anderem bei der Zeitschrift Sezession die Frage, wie man sich zur »Make America Great Again«-Politik Trumps verhalten solle. Schon damals erhoffte sich jemand wie Benedikt Kaiser, dass Trump eine »Alternative für Amerika« sein könne und damit endgültig der ­Beginn der »multipolaren Weltordnung« gekommen sei. Trump könnte, so die Hoffnung, die Vormachtstellung des verhassten ­liberalen Westen aus dem Weißen Haus selbst untergraben.

Mit seinem Post auf X kritisierte Krah all jene, die nach wie vor dem traditionellen rechten Antiamerikanismus frönen, sich auf die Seite des antiwestlichen Maduro stellten und das Prinzip staatlicher Souveränität hochhielten – und nicht erkennen wollten, dass Trump eigentlich ihr Mann im Weißen Haus sei. Nationale Souveränität spielt in Krahs Weltanschauung nur noch eine untergeordnete Rolle, auch sie ist für ihn Teil der Illusion des Völkerrechts und der alten liberalen Ordnung.

Die Vorgänge in Venezuela enthüllten das Völkerrecht als bloße »Ohnmachtsrhetorik für Schwache«, schrieb Markus Frohnmaier, der außenpolitische Sprecher der AfD-Bundestagsfraktion, auf X.

Er denkt ganz wie seine politischen Vorfahren in größeren Maßstäben und hofft auf die Entfesslung des Behemoth, der beharrenden »Landmacht«, die sich den geographischen Großraum einverleibt und der vom Leviathan, bezeichnenderweise ein Seeungeheuer aus der jüdischen Mythologie, zumindest angestrebten »regelbasierten« Ordnung den Kampf ansagt – um es einmal in der Sprache der politischen Theologie nach Thomas Hobbes zu fassen, als dessen Antipode Schmitt sich selbst und auch den Nationalsozialismus sah.

Dass Respekt für Trump keineswegs ausschließt, die gleiche neidische Bewunderung für Putin oder auch Xi Jinping zu empfinden, verdeutlichte eine Stellungnahme von Markus Frohnmaier, dem außenpolitischen Sprecher der AfD-Bundestagsfraktion. Die Vorgänge in Venezuela enthüllten das Völkerrecht als bloße »Ohnmachtsrhetorik für Schwache«, so schrieb er auf X.

Derzeit ordne sich die Welt »schmittianisch neu« – die USA sicherten sich Südamerika, Russland beanspruche die Ukraine und China Ostasien. Nur Europa »hat keinen Großraum und wird von orientierungs­losen Kindern verwaltet«. Gangster, die ihr Revier aufteilen – so stellen sich deutsche Rechtsextreme wie Krah und Frohnmaier die kommende Weltpolitik vor, und sie träumen davon, mit am Tisch zu sitzen.