08.01.2026
Auður Ava Ólafsodóttirs Buch »Eden«

Aussterben und neu anfangen

Eine Linguistin, die zu aussterbenden Kleinsprachen forscht, fängt in der Einöde ein neues Leben an.

»Es ist üblich, Konferenzen über Kleinsprachen, die vom Aussterben bedroht sind, in abgelegenen Dörfern mit schlechter Verkehrsan­bindung abzuhalten«, beginnt Alba Jakobsdóttir den Bericht über das Jahr, in dem sich alles ändert. Die Protagonistin in Auður Ava Ólafsdóttirs Roman »Eden« ist Linguistikdozentin an der Universität von Reykjavík und fliegt als Expertin für schwindende Idiome um die Welt.

Bis sie beschließt, ihren durch diesen Lebenswandel stark vergrößerten CO2-Abdruck zu kompensieren, wofür sie ein Haus mit einem Stück Land in einer kargen Einöde kauft. Dort möchte sie die dafür nötigen Bäume pflanzen – 5.600 Stück, wie sie errechnet hat.

Entdeckt hat sie ihr neues Zuhause, weil sie beim Überfliegen einer Immobilienbeilage an einer Anzeige mit »zwei Tippfehlern und einer ungewöhnlichen Formulierung« hängengeblieben ist. »Darin wurde ein Grundstück zum Verkauf angeboten, mit einer Behausung, die beträchtlicher Renovierung bedarf.« Es habe »Potenzial für den richtigen Menschen«.

Durch Befragungen, die keine Distanz kennen, Spionage und Indoktrination versuchen unterschiedliche Figuren, der Sprachwissenschaftlerin näherzukommen.

Also macht sie sich auf und lässt die Hauptstadt und ihre Karriere hinter sich, um in der neuen Umgebung Wurzeln zu schlagen. Zu der gehören neben dem steinigen, der Witterung ausgesetzten Land ein neugieriger, Schafe züchtender Nachbar und eine Dorfgemeinschaft mit einem einmal in der Woche geöffneten Dorfladen als Lebensmittelpunkt.

Hier scheint man nur auf Alba gewartet zu haben und ist bestrebt, die Neue besser kennenzulernen. Durch Befragungen, die keine Distanz kennen, Spionage und Indoktrination versuchen unterschiedliche Figuren, der Sprachwissenschaftlerin näherzukommen, die bei aller nüchternen Klarheit ihrer Schilderung große Bögen um ihr Gefühlsleben und die Untiefen der eigenen Biographie macht.

Bis Alba in der Mitte von dem, »was wir ­Leben nennen«, ankommt, bleibt dem so konzisen wie poetischen Roman Raum, in kurzen Kapiteln mit Betrachtungen über Literatur, sprachliche Besonderheiten und Wetterwechsel mit trockenem Witz das Bild einer Welt in Aufruhr zu zeichnen.


Buchcover

Auður Ava Ólafsdóttir: Eden. Aus dem Isländischen von Tina Flecken. Insel 2025, Berlin 2025, 251 Seiten, 25 Euro