Jungle+ Artikel 08.01.2026
Die Wiedergeburt des ­russischen Rechtsextremisten und Milizführers

Denis Kapustins Wiederauferstehung

Der ukrainische Militärgeheimdienst täuschte den Tod des russischen Rechtsextremen Denis Kapustin vor, der mit einer Miliz gegen Russland kämpft. Auf Seiten Russlands allerdings kämpfen wohl noch wesentlich mehr Nazis.

Denis Kapustin lebt. Mit dieser Erfolgsmeldung wartete der ukrainische Militärnachrichtendienst GUR pünktlich zu Neujahr auf. Wenige Tage zuvor, am 27. Dezember, hatte das Russische Freiwilligenkorps (RDK) eine lakonische Todesnachricht ihres Gründers und Kommandeurs veröffentlicht. »Heldenhaft gefallen« sei er während einer Kampfmission. Beweise blieben aus.

In einem Video gratulierte Kyrylo Budanow als Leiter des GUR Kapustin nun zur Rückkehr ins Leben. Es war eine seiner letzten Handlungen in diesem Amt, denn seit dem Wochenende ist er stattdessen mit der Führung des ukrainischen Präsidialamts betraut. Budanow durfte sich auf die Schulter klopfen, durch das überlegte Vorgehen seiner Behörde einen Auftragsmord durch russische Geheimdienste vereitelt zu haben.

1984 in Moskau geboren, kam Kapustin mit 17 Jahren nach Köln, wo er sich der rechten Fußball-Hooligan-Szene anschloss und sich durch die Ausübung physischer Gewalt profilierte.

So jedenfalls lautet die offizielle Begründung für das Vortäuschen von Kapustins Tod. Über einen Monat lang habe der GUR, in dessen Spezialeinheit Timur das im Sommer 2022 gegründete Russische Freiwilligenkorps eingegliedert ist, die Operation vorbereitet und am Ende sogar eine halbe Million Dollar sichergestellt, die Russland als Kopfgeld für die Tötung eines »persönlichen Feindes« von Präsident Wladimir Putin ausgelobt hatte.

Neu war diese Idee nicht. Bereits 2018 hatte der ukrainische Inlandsgeheimdienst SBU die Ermordung des proukrainischen russischen Kriegsjournalisten Arkadij Babtschenko inszeniert, was ihm damals Teile der liberalen russischen Opposition übelnahmen. Sie fühlten sich betrogen.

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