Differenzen der Krise – Krise der Differenzen
Die Wert-Abspaltungs-Kritik
In den neunziger Jahren standen nach dem Zerfall des Ostblocks kulturalistische und differenztheoretische Ansätze in der Frauenforschung, die nun zur Genderforschung mutierte, hoch im Kurs. Marxistische und psychoanalytische Konzepte, die bis Ende der achtziger Jahre die Diskussion bestimmten, traten in den Hintergrund.
Neuerdings erleben nun, ob der Zuspitzung der ökonomischen Krise, die für die einzelnen verstärkt spürbar wird (Stichwort Hartz IV), und einer Delegitimierung des Neoliberalismus, diverse Marxismen wieder einen Auftrieb. Die ›soziale Frage‹ steht wieder stärker im Zentrum des Interesses. Dabei drohen die Ungleichheitsdimensionen wie Rasse/Ethnie und Geschlecht in den Hintergrund zu geraten.
Dem wert-abspaltungs-kritischen Ansatz geht es stattdessen darum, soziale und ökonomische Disparitäten, Rasse/Ethnie und Geschlecht zusammen zu denken und ebenso auch postmodernen Individualisierungstendenzen Rechnung zu tragen. Dabei gehe ich davon aus, dass soziale und ökonomische Disparitäten den Kapitalismus wesentlich charakterisieren, auch wenn sie mit der Klassenkategorie nicht mehr erfasst werden können. Theoretische Grundlagen sind dabei einerseits eine ›fundamentale Wertkritik‹ und andererseits die Kritische Theorie Adornos, die ich in der Wert-Abspaltungs-Kritik in eine neue Qualität überführen möchte. Ich schließe dabei an ein Marxismusverständnis an, das das Wesen des Kapitalismus nicht im antagonistischen Klassenverhältnis verortet, sondern den Fetischismus, den Wert und die abstrakte Arbeit in den Mittelpunkt stellt.
Die Theorie der Wert-Abspaltung zielt jedoch nicht primär auf die identitäre Dimension, sondern sie geht von der Wert-Abspaltung als totalitätskonstituierendem Grundprinzip der kapitalistischen Moderne aus.
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