Jungle+ Artikel 08.01.2026
Grzegorz Brauns antisemitische ­Partei reüssiert in Polen

Schlimmer geht immer

Die rechtsextreme Konfederacja bekommt in Polen Konkurrenz: Der offen antisemitische Grzegorz Braun überholt sie von rechts, seine Partei KKP liegt in Umfragen bei über zehn Prozent.

»Es gibt immer einen größeren Fisch«, raunte der weise Jedi-Meister Qui-Gon Jinn seinen Schutzbefohlenen zu, als diese einem bissigen Unterseemonster gerade so entwischten, weil das Ungeheuer selbst einem noch mächtigeren Fressfeind zum Opfer fiel. Die Sentenz aus einem der »Star Wars«-Filme taugt auch als Metapher für den Überbietungswettbewerb in der polnischen extremen Rechten.

Der Kandidat der rechtsextremen Bündnis- und Sammelpartei Konfederacja, Sławomir Mentzen, landete in der ersten Runde der Präsidentschaftswahl im Frühsommer dieses Jahres mit 14,8 Prozent der Stimmen auf dem dritten Platz – ein Achtungserfolg. Doch nun ist es die noch extremere KKP (Konföderation der Krone Polens), die in den Umfragen rasant steigt.

Im EU-Parlament störte Braun eine Schweigeminute zum Gedenken an die Opfer des Holocaust mit dem Zwischenruf, man solle für die »Opfer des jüdischen Genozids in Gaza beten«.

Die Partei hat sich erst im Frühjahr 2025 von der Konfederacja abgespalten. Anlass war, dass der Gründer und Vorsitzende der KKP, Grzegorz Braun, für das Amt des Staatspräsidenten kandidierte, obwohl die Konfederacja bereits Mentzen nominiert hatte. In aktuellen Meinungsumfragen liegt die KKP nun bei etwa elf Prozent. Schon Brauns Ergebnis in der ersten Runde der Präsidentschaftswahl im Mai hatte sämtliche Prognosen übertroffen: Damals hatte er mit 6,3 Prozent der Stimmen den vierten Platz belegt.

Der stramme Katholik, der seine Reden gerne mit der frommen Formel »Gelobt sei Gott« beginnt, gibt sich als Reaktionär der ganz alten Schule. Er stammt aus einer Familie von Kulturschaffenden, arbeitete als Journalist und Dokumentarfilmer. Der 58jährige hatte schon 2015 erfolglos für die Präsidentschaft und später als Stadtpräsident Danzigs kandidiert.

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