08.01.2026
Was schützt Frauen gegen Gewalt in der Partnerschaft?

Mehr Geschirr­spülen, weniger Gewalt

Die Partnerschaftsgewalt nimmt um Weihnachten merklich zu. 2024 wurden in Deutschland 171.069 Fälle registriert. Mehr als die Hälfte davon waren Körperverletzung, ein ­Viertel Bedrohung, Stalking und Nötigung.

Es ist vorbei, das Scheiß-Weihnachten. Während es für die einen ein hyggeliges Wohlfühlfest ist, leiden andere unter Einsamkeit oder an familiärer Enge. Auch die Partnerschaftsgewalt nimmt um Weihnachten merklich zu. Natürlich sind Frauen mit einem Anteil von 80 Prozent deutlich häufiger betroffen. 2024 wurden in Deutschland 171.069 Fälle registriert. Mehr als die Hälfte davon waren Körperverletzung, ein ­Viertel Bedrohung, Stalking und Nötigung. Anders als häufig vermutet, betrifft das Problem alle sozialen und Bildungsschichten.

Dennoch erhöhen Armut und finanzielle Belastungen statistisch das Risiko für Frauen, körperliche Gewalt in der Partnerschaft zu erfahren. Besonders gefährdet sind arbeitslose Frauen und Mütter. Wenn Frauen wirtschaftlich unabhängig sind, sinkt statistisch auch das Gewaltrisiko in der Partnerschaft.

Für Frauen ist ökonomische Unabhängigkeit entscheidend, um sich aus belastenden oder gewaltvollen Beziehungen lösen zu können. Wer als Frau also nicht von Geburt an reich ist, muss Geld verdienen, um sich und seine Kinder vor Gewalt schützen zu können. 

Die im Juni 2025 veröffentlichte Studie »Mit ­Geschlechtergerechtigkeit zu Gewaltprävention« des ­Instituts für Männer- und Geschlechterforschung in Graz zeigt, dass österreichische Frauen ein weniger traditionelles Geschlechterbild haben als Männer. Der Aussage »Keine Frau sollte von ­einem Mann finan­ziell abhängig sein« stimmten 78 Prozent der weiblichen Befragten voll und ganz zu, jedoch nur 62 Prozent der Männer.

Die quantitativen Daten zeigen zudem: Wenn in der Partnerschaft beide ähnlich viel Erwerbsarbeit leisten, berichten deutlich weniger Befragte von Gewalter­fahrungen. Werden Sorge- und Erwerbsarbeit gerecht aufgeteilt, sei Partnerschaftsgewalt am wenigsten wahrscheinlich.

Finanzielle Abhängigkeit ist ein Problem, das sich häufig nicht privat lösen lässt

Für Frauen ist ökonomische Unabhängigkeit entscheidend, um sich aus belastenden oder gewaltvollen Beziehungen lösen zu können. Wer als Frau also nicht von Geburt an reich ist, muss Geld verdienen, um sich und seine Kinder vor Gewalt schützen zu können. Das klingt vielleicht wie aus dem Poesiealbum von Christian Lindner (kennt den eigentlich noch ­jemand?).

Aber finanzielle Abhängigkeit ist ein Problem, das sich häufig nicht privat lösen lässt, sondern nur gesellschaftlich. Kürzungen im Sozialstaat, ungenügende Kinderbetreuung und schlechte Bezahlung erschweren es vielen Frauen, sich vor Gewalt in Sicherheit zu bringen. Und um die überhaupt zu bekämpfen, hilft ordentlich zu malochen natürlich auch nicht.