Jungle+ Artikel 08.01.2026
»Generation Snowflakes« bei der Armee – Alexander Edmonds, Medizin­ethnologe, im Gespräch über Strategien bei der Rekrutierung

»Das Militär muss vulnerable Soldaten rekrutieren, weil es sie braucht«

Ältere halten die Generation Z oft für zu weich für den Kriegsdienst. Auch viele der Jungen selbst lehnen ihn ab. Das britische Militär reagierte darauf 2019 mit einer Kampagne: »Snowflakes – your army needs you and your compassion«. Psychische Verletzlichkeit ist ein bedeutendes Thema für die britischen Streitkräfte geworden, sagt dazu der Medizin­ethnologe Alexander Edmonds. Ein Gespräch über Fürsorge, Überwachung und die Rolle von Armut bei der Rekrutierung.

Wie ist die derzeitige Stimmung in Großbritannien zum Krieg in der Ukraine?
Zu Beginn des Kriegs gab es eine Welle der Unterstützung für die ­Ukraine. Das öffentliche Interesse hat im Laufe der Zeit zwar abgenommen, aber die Öffentlichkeit ist hierzulande nach wie vor sehr besorgt über die Bedrohung, die von Russland ausgeht, insbesondere angesichts der neuen Unsicherheit aufgrund des nachlassenden Engagements der USA innerhalb der Nato.

Und die Politik reagiert darauf?
Im Jahr 2024 brachte der General­stabschef der britischen Armee beispielsweise die Idee ins Spiel, die Wehrpflicht wiedereinzuführen. 1963 war sie abgeschafft worden. Auch hat die britische Regierung im Jahr 2025 die Verteidigungsausgaben ­erhöht, um die Armee »zehnmal tödlicher« zu machen.

Wer sich mit dem Militär befasst, muss sich häufig fragen lassen, ob er selbst über entsprechende Erfahrungen verfügt. Wie ist das bei Ihnen?
Ich war nie beim Militär. Außerdem bin ich Ausländer, ich komme aus den USA. Ich betrachte dieses Thema also als Außenstehender.

»Wegen des chronischen Personalmangels konzentriert sich die Rekrutierung auf Menschen, die in ›sozial benachteiligten Gegenden‹ leben. Historisch gesehen haben solche Orte überproportional viele Rekruten gestellt.«

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